Allgemein, Balkan, Europa

Roadttrip Mazedonien – Matka Canyon und Ohrid

15. Oktober 2018

Nach 1,5 – 2 Tagen hat man einen guten Eindruck von Skopje erhalten  – ohne zu hetzen oder das Gefühl zu haben, etwas wesentliches verpasst zu haben oder der Stadt nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Es kann weiter gehen…und für uns hieß das… hit the road, Jack!

Mit dem Auto durch Mazedonien

Auto mieten

Bereits in Deutschland hatten wir einen Mietwagen gebucht. Herausforderung diesmal: Grenzübertritt nach Albanien, Zweitfahrer sowie alle KM inkl., eine ausreichende Versicherungssumme und natürlich ein klein wenig Komfort. Fündig bin ich dann beim ADAC geworden – auch als Nicht-Mitglied kann man über das Portal mieten. Die Kosten sind etwas höher als für Mitglieder, aber alles im Rahmen. 2 Wochen Skoda Rapid, Diesel, mit den o.g. Kriterien für 400€.

Kooperationspartner vor Ort ist Sixt. Was uns auch schon mal ein gutes Gefühl gab. Bei der Abholung wurden uns noch knapp 30€ für den Grenzübertritt nach Albanien berechnet – diese Info hatte ich im Vorfeld nicht gehabt – ansonsten ging alles ganz schnell und reibungslos von statten.

Navi oder kein Navi

Auf ein Navi bei der Autobuchung haben wir verzichtet – ich hoffe ja immer, doch irgendwie ein Auto zu bekommen, in dem bereits ein Navi installiert ist. Der Skoda Rapid war dann aber zu alt dafür… kein Navi, kein USB Anschluß, dafür MP3 CD Schlitz ;-).

Zur Sicherheit, auch für die Spaziergänge und Wanderungen unterwegs, ist es ratsam  sowohl bei Google, also auch bei maps.me, das Kartenmaterial, in unserem Fall von Mazedonien und Albanien herunterzuladen. Etwas aufpassen mussten wir beim Akku. Da es keinen USB Anschluß zum Laden der Handys gab, mussten wir teilweise „blind“ fahren – aber die größeren Orte sind in beiden Ländern gut ausgeschildert.

Karten-App: maps.me oder google maps?

Schwierig!

Beide Kartensysteme haben im Livetest Schwächen aufgezeigt. Grundsätzlich waren die Zeitangaben bei maps.me immer um gut 1h kürzer – google war da mit seinen Zeiteinschätzungen sehr viel realistischer.

Ab und an konnten wir die Route bei Google im offline Modus nicht aufrufen. Maps.me hat immer funktioniert. Beide Systeme zeigten die selben Routen an. Maps.me braucht manchmal etwas länger um dich exakt zu lokalisieren und den Richtungspfeil entsprechend auszurichten wenn man losgeht.

Generell haben wir alle Orte in den Systemen gefunden. Vom Bauchgefühl würde ich sagen, dass bei Google die Ort, Lokale, Attraktionen einfacher und schneller zu finden sind.

Mein Tipp: ladet Euch beide Apps runter und nutzt sie!

Straßenverhältnisse – besser als erwartet

Die Straßen sind gar nicht mal so schlecht – in Albanien sogar noch einen Tick besser als in Mazedonien ABER…sie sind leider recht schmal und es gibt davon zu wenige. Dazu kommen noch die vielen Serpentinen – so dass wir, vor allem in Albanien, nur mit sehr langsamen Geschwindigkeiten vorangekommen sind.

Autobahnen gibt es, aber nicht sehr viele. Die Geschwindigkeitsbegrenzungen sind normal, etwas weniger als bei uns. In Mazedonien haben wir viel Polizei gesehen, vor allem Kontrollen – wir wurden aber nie rausgezogen.

Fahrweise der heimischen Verkehrsteilnehmer

Ohne ein Blatt vor den Mund nehmen zu wollen: DIE FAHREN WIE DIE  LETZTEN IDIOTEN! So, das musste mal raus. 😉 Geschwindigkeiten sind egal, überholt wird auch in Kurven, wenn man in den Kreisverkehr rein will, dann muss man sich sein Recht erkämpfen. Generell bin ich eher defensiv gefahren und damit sind wir auch ganz gut durchgekommen.

Fazit: Mazedonien lohnt sich auf alle Fälle für einen Roadtrip.

On the road – Matka Canyon

Aber nun zu unseren Erlebnissen und Stops. Der Matka Canyon, liegt gute 35 Minuten Autofahrt süd-westlich von Skopje. Er kann auch im Rahmen eines Skopje-Aufenthalts mit den öffentlichen Verkehrsmitteln angefahren werden – aber das Thema hatten wir ja bereits mit dem Millenium Cross.

Ich entschied mich, unseren Road Trip mit einem Abstecher zum Canyon zu beginnen. Die Straße führt gerade aus Skopje heraus – schon schnell hat man den Eindruck nicht mehr in der Hauptstadt oder einer Großstadt zu sein. Eine ordentliche Beschilderung zum Canyon fehlt zwar, aber die provisorischen Schilder und unser Navi zeigen uns zuverlässig den Weg.

Nach ein paar Kurven und dem Gefühl, dass die Berge immer näher kommen, sind wir auch schon da und parken den Wagen am ersten offiziellen Parkplatz. Zuerst folgen wir einem kleinen Weg, immer entlang an dem kleinen Fluß. Irgendwann wird aus dem Weg nur noch ein Trampelpfad und dieser endet abrupt gefühlt 5m vor dem eigentlichen Ziel.

Das Ziel? Ja, was ist eigentlich das Ziel. Erwartet hätte ich eine Art Aussichtsplattform, von dem man in den Canyon runterlaufen kann…aber wir sind schon am niedrigsten Punkt und jetzt bin ich neugierig was mich hinter der nächsten Biegung erwartet.

Nachdem der Weg nicht mehr weiterführt, müssen wir wohl oder über umkehren und die kleine Straße nehmen, die zum Eingang führt. Hier ist ebenfalls nochmal ein Parkplatz, der allerdings sehr klein, chaotisch und von den heimischen Taxifahrer belegt ist. Wer das Abenteuer liebt, der kann sich ja trauen.

Lohnt sich der Matka Canyon?

Meine Begeisterung hielt und hält sich auch bisher in Grenzen. Das „harte“ Los der Weltenbummler würde ich mal wieder sagen ;-). Es gibt eine kleine Kapelle, inkl. Restaurant und Café, wo man nett sitzen kann. Hier kann man Kayaks ausleihen oder sich mit ein paar anderen Reisenden zu einer der Höhlen fahren lassen. Ein Fußweg führt ein paar Kilometer entlang der Felsen, was ganz nett, aber nicht atemberaubend, ist. Leider geht auch nur dieser Weg wieder zurück.

Wer genügend Zeit und Muß hat, kann hier gern stoppen, ansonsten würde ich den Canyon nicht als ein Must Do bezeichnen. Aber entscheidet selbst:

Next Stop: Ohrid

In einem früheren Beitrag hatte ich mal die Behauptung aufgestellt, das jedes Land so mind. eine alte, traditionelle, fast schon mittelalterliche, und natürlich mindestens zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Stadt hat. Damals waren das ValparaisoCusco, Sucre und Cuenca (Chile, Peru, Bolivien und Ecuador)- hier in Mazedonien ist das Ohrid.

UNESCO-Welkulturerbe: Ohrid-See

Schon eine ganze Weile passieren wir den Ohrid-See – er ist einer der ältesten Seen Europas und der zweitgrößte auf dem Balkanhalbinsel. Der größere Teil des Sees gehört zu Mazedonien, Ohrid und Struga sind hier die größeren Städte, der kleine Teil zu Albanien. Seit 1979 gehört der ganze See und die Altstadt Ohrids zum besagten UNESCO-Weltkulturerbe.

Ohrid (sprich: Ochrid) ist nur die 8.größte Stadt Mazedoniens – das überrascht mich jetzt im Nachhinein schon. Sie erschien mir viel größer. Vermutlich ein Rückschluss auf den Tourismus und Wirtschaftsfaktor, den ich der Stadt beimesse.

Fährt man von der Autobahn ab ist man jedoch erstmal desillusioniert. Die schönen Instagram-Bilder der Altstadt mit dem schimmernden See im Hintergrund kann ich mir hier so überhaupt nicht vorstellen.

Und dann plötzlich, eine 45°Grad Linkskurve und wieder scharf rechts und nochmal links. Wir passieren ein Eingangstor und der See und die Altstadt liegen im schmeichelndsten und besten Instagram-Licht vor uns.

Die Straßen werden hier sooooo eng, trotzdem dürfen Autos (Anwohner und Hotelgäste) sie passieren – beide Navis verlassen uns hier. Die Adresse unserer Air B’nB Übernachtung ist nicht eindeutig zu lokalisieren – aber weit können wir nicht mehr sein. Ich entschließe mich, das Auto erstmal auf einem Straßenvorsprung zu parken, immer darauf bedacht, nicht mit dem Hinterrand über eine der vielen Mauern zu rollen.

Unser Zimmer liegt im nördlichen Teil der Altstadt, mit einem atemberaubenden Blick auf die Stadt und den See. Fußläufig, aber weit genug weg vom trubeligeren Kern direkt am Wasser, sind die vielen Restaurant, der Supermarkt und die Promenade in weniger als 10 Minuten zu erreichen.

Was tun in Ohrid – Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten

Kaneo Kirche, Kirche der heiligen St. Sophia, Festung und Amphitheater. Es gibt zahlreiche weitere Kirchen und Moscheen, sowie alte Gebäude die man bei einem langen und ausgedehnten Spaziergang sehen und besichtigen kann.

Dann lässt man sich in einem der zahlreichen Ufercafés unterhalb der Kaneo-Kirche die Sonne ins Gesicht scheinen. Und gibt vielleicht dem Angebot eines der kleineren Boote an der Promenade nach, und lässt sich für 5 Euro 30 Minuten am Ufer der Stadt rauf und runter schippern!

Ein Tag ist ausreichend, um einen guten Eindruck der Stadt zu bekommen, wenn man noch mehr auf der Liste hat.
Zwei Tage und mehr, wenn man Zeit und Lust auf eine langsamere Gangart hat.

Kulinarische Empfehlung

Eine Restaurant möchte ich Euch auf alle Fälle empfehlen: das Restaurant Damar.
Nachdem wir im besser bewerteten und exklusiveren Restaurant Sveta Sofija recht unfreundlich abgewiesen wurde, da wir keine Reservierung hatten, haben wir hier einen gemütlichen, leckeren und sehr freundlichen Abend erlebt. Mazedonische Küche (je 2 Vorspeisen und Hauptgerichte), begleitet mit einem soliden Rotwein und Rakija für €50 in einem traditionellen Ambiente.

Ein bißchen enttäuscht bin ich bisher von der viel gerühmten Herzlichkeit – die sich mir bisher noch nicht wirklich gezeigt hat. Unser AirB’n’B Host ist unheimlich nett und aufgeschlossen, hier im Restaurant erhalten wir zum ersten Mal ein herzlichen Lächeln – vermutlich, oder hoffentlich, liegt es am Saisonende. Im Sommer muss hier in Ohrid die Hölle los sein; jetzt, in der letzten Septemberwoche, ist es angenehm ruhig und nur wenige Touristen, wenn auch immer noch überraschend viele, sind unterwegs.

Tourismus in Mazedonien

Auch hier treffen wir auf Reisegruppen aus Asien, den Vereinigen Staaten und Individualreisenden aus Europa – das Alter ist ganz gemischt und auch der Anteil an Familien, Paare und Alleinreisenden ist ausgeglichen. Mit Skopje und Ohrid haben wir uns natürlich die Touristenhighlights Mazedoniens rausgesucht – dennoch bin ich überrascht von der touristischen Infrastruktur und würde nicht behaupten, dass Mazedonien touristisch „am kommen“ ist. Meiner Meinung nach ist es schon lange da!

Kloster St. Naum – kann man, muss man aber auch nicht

Ca. 26km südlich von Ohrid, fast an der albanischen Grenze befindet sich diese Klosteranlage. Von Ohrid aus fahren tgl. größere Boote das Kloster an:

  • Abfahrt 10.00Uhr – Rückfahrt 15.00 Uhr
  • Fahrtdauer: 90 min. pro Tour

Das kleine Kloster ist eingebettet in einen Restaurant- und Hotelkomplex, umgeben von einem angelegten Park mit kleinem See. Mit kleineren Booten werden Touren in das umliegende Quellgebiet angeboten. Ein Souvenirladen nach dem anderen säumt das Parkgelände und das Restaurant Ostrovo ist riesig und eigentlich belegt für die Reisegruppen. Wir hatten Pech mit unserem Kellner, der uns eher als Belastung ansah – der Kellner vom Nachbartisch hingegen war aufmerksam und interessiert.

Das Kloster gehört zu den bedeutendsten historischen Gebäuden in der Region und ist aufgrund seiner Lage eine der Sehenswürdigkeiten Mazedoniens… ich muss ehrlich sagen, dass ich ziemlich enttäuscht war und eine extra Tour mit dem Boot nicht empfehlen würde.

Nach 3 Nächten in Ohrid geht es heute für uns über die Grenze nach Albanien. Das 344km entfernte Saranda ist unser Ziel. Die südlichste Stadt Albaniens und laut Google benötigen wir dafür knapp 6h. Challenge accepted!

 

Weitere interessante Artikel

1 Kommentar

  • Antworten Katrin 16. Oktober 2018 at 18:13

    So eine Tour nur an diesen besagten Orten wie Ohrid. Das wäre auch ganz cool. Toller Bericht👍. Spannend, weil ich mich mit der Region noch so gar nicht beschäftigt habe.

  • Hinterlasse einen Kommentar