Allgemein, Peru

Peru – Key Race Alert, Algorithmen und Trüffelbutter

16. November 2016

Von Bolivien nach Peru mit dem Nachtbus

Um 18.30 Uhr bolivianische Zeit rollen wir gen Peru. Nur 10 Minuten später sind wir bereits an der Grenze und werden aus Bolivien aus- und in Peru eingestempelt.

Wie schon so oft auf meiner Reise trafen die unzähligen albtraumhaften Beschreibungen der Nacht- und Überfahrt via Bus nicht zu. Antje und ich konnten uns also gemütlich in unsere erste Reihe Panorama Fenstersitze kuscheln. 2h später hielten wir für einen längeren Stop in Puno…während wir aus dem Bus ausstiegen kotzte bereits der Erste in die leider nicht weit genug von uns entfernte Ecke. Oh, wie eklig. Ausserdem sind wir beide noch so Sympathie-Mitkotzer – es kostete uns alle Mühe nicht direkt in den Strahl mit einzustimmen.

Puno – Tor nach Peru

Erstmal ein Klo suchen, Geld tauschen und die Tourismussteuer in Höhe von 41ct zahlen. Der Busbahnhof war nicht riesig, aber er war vollgepackt mit Menschen die ums uns herum wimmelten. Verschiedene Zielorte in Peru wurden ausgerufen, die Mädchen hinter den Tresen bereiteten eifrig Formulare und Zettel für die zukünftigen Reisenden vor. Auf den schmalen Sitzen schliefen und warteten die Menschen, mit viel Gepäck, meistens akkurat in ein buntes Tuch eingewickelt und wenn es Zeit war zum Aufbruch, wurde dieses über die Schulter geworfen und los gings.

Nach einer gefühlten Ewigkeit konnten auch wir in den Bus wieder einsteigen. Leider wurde unsere Hoffnung nicht erfüllt, dass der „Kotzbrocken“ hier eventuell seine Endstation hatte. Bleich wie der Tod kam er angeschlurft und setzte sich zu unserem Entsetzen direkt hinter uns – da hilft nur beten.

Plötzlich wurde es laut, richtig laut. Tumultartig stürmte eine Schulklasse den Bus. Die kleinen Monster übernahmen in wenigen Sekunden den hinteren Teil – Schulausflug nach Cusco, über Nacht – die arme, arme Lehrerin. Endlich fuhren wir los – begleitet von einem Gebet durch die Schulklasse. Na da konnte doch nichts mehr schief gehen.

In Peru gibt es viele Rampen zur Entschleunigung des Verkehrs und wir fuhren um viele Kurven – Antje und ich hofften, dass es direkt hinter uns ruhig bleiben würde, als unsere Hoffnung jäh zerstört wurde durch das unverkennbare würgende Geräusch wenn sich der Mageninhalt gewaltsam wieder nach oben befördert und dann auf Plastikboden aufprallt. Plötzlich war es mucksmäuschenstill im Bus – nur die Lehrerin war zu hören, die ihre Klasse auf spanisch zur Sau machte und den ganzen Dreck blitzschnell aufwischte. Was für ein bescheidener Job! Wir schauten uns an – zogen den Schal über unsere Nase und hofften, dass es direkt hinter uns ruhig bleiben würde. Gute Nacht!

Ankunft in Cusco – unversehrt!

Um 5.30 Uhr erreichten wir Cusco – ohne weiteren Zwischenfall :-).
Als Hauptstadt des alten Inkareiches ist Cusco mittlerweile UNESCO-Weltkulturerbe. Sie liegt inmitten der Anden und eigentlich stoppt jeder Tourist hier auf dem Weg zum Machu Picchu – egal wie.

Wir werden mit blauem Himmel, einem unbeschreiblich schönen Ausblick und Kaffee in unserem Hotel begrüßt. Wir lustwandeln durch die Gassen und Gässchen, machen Selfies vor der Kathedrale, trinken Kaffee bei Starbucks und lunchen in einem unwahrscheinlich süßen Kaffee mitten in der Altstadt – hier gibt es leckere Sandwiches und eine noch viel leckere Tres Leches-Torte (bestehend aus Sahne, Sahne, sahne und Crema de dulce, also Caramell ;-)). Mein Untergang – die nächsten 24h bin ich einfach nur voll, voller,….

Die Busfahrt (und die Torte) fordert ihren Tribut – wir genehmigen uns zum Abendessen nur einen kleinen Snack in einer Bar und natürlich Pisco Sour – Antjes Stimmung wird auf einen Schlag total ausgelassen, ich will nur noch ins Bett. Dabei wollte ich doch unbedingt tanzen gehen. Ausserdem ist es wieder soooooo kalt!

Inkafestung Sacsayhuamán

Auch am nächsten Tag lassen wir es ruhig angehen – der große Respekt vor dem Machu Picchu Aufstieg steckt uns in Knochen und Gemüt. Als weitere kleine Übung schauen wir uns heute die alte Inkafestung Sacsayhuamán (sprich „Sexy Woman“) an. Diese erreichen wir durch einen ordentlichen Spaziergang bergauf.

Mit Ruinen ist das ja so eine Sache – manchmal lässt sich ja mit gaaaaaanz viel Fantasie die Geschichte wieder aufleben, manchmal aber auch nicht und man macht einfach nur einen schönen Spaziergang. Sacsayhuamán ist irgendwie so ein Mittelding, wohl aber eher mit Tendenz zum Letzteren. Dafür hat man einen tollen Ausblick auf Cusco. Vermutlich wäre unser Eindruck etwas wohlwollender ausgefallen, wenn wir nicht von dunklen Wolken, beißendem Wind und Regen „überrascht“ worden wären. Beide besitzen wir Regenjacken und passende wärmende Kleidung – weiß Gott warum wir ausgerechnet heute darauf verzichtet haben.

So entschieden wir, nachdem wir 10 Minuten hinter einer Mauer dem Schlimmsten ausgeharrt hatten, den Rückweg anzutreten. Um dem Tag doch noch etwas gutes abzugewinnen, und mittlerweile hatte ich meinen Appetitt wieder gefunden, gingen wir in ein super leckeres Restaurant – und schlemmten wie Gott in Frankreich. (Dies war der Auftakt einer langen kulinarischen imaginären Reise, unter anderem auch zu Trüffelbutter.)

Zum Restaurant ging es über eine ziemlich lange und steile Treppe – allerdings bergab und auf dem Rückweg natürlich bergauf. Unsere Machu Picchu Challenge besteht ja daraus, dass wir den Cerro Machu Picchu aufsteigen wollen – 2.585 Stufen wie wir vorab sorgfältig recherchiert hatten. Hier hatten wir also eine kleine (niedliche) Versuchsanordnung und Antje fuhr zu analytischen Höchstleistungen auf.

Wie man den Cerro Machu Picchu am besten bezwingen kann

Verschiedene Algorithmen wurden überlegt, die den Aufstieg irgendwie machbar machen sollten…10 Treppen, 3 min Pause oder 20 Treppen, 5 min Pause? Sollten wir uns an der Zeit orientieren, von 1 Stunde 15 Minuten bis 2 Stunden waren die Annahme und Erfahrungswerte, würden wir so nie ankommen.

Eingerechnet wurden auch Fotopausen, die es etwas erträglicher machen sollten….ja, und Lachen. Lachen war natürlich ein absoluter Killer. Hmm, man könnte auch alle Familienmitglieder aufzählen und dann eine Pause machen – doof nur, dass wir beide keine große Familie haben- oder einfach alle ehemaligen Mitarbeiter unserer Firma- dann würden wir wohl ohne Pause bis nach oben kommen ;-). Was auch immer sich Antje ausdachte – für uns stand fest, wir kommen oben an – egal wie und egal wann. Aufgeben? Auf keinen Fall!

Was die Welt an diesem Tag noch so bewegte – Amerika wählt

Tja, und dann war ja da noch der große Wahltag – dank der Zeitverschiebung können wir quasi fast live mit erleben, wie der nächste Präsident von Amerika gewählt wird. Nach diesem verregneten und kalten Tag beschlossen wir, dieses Großevent gemütlich im Bett mit allerlei Leckereien zu verfolgen – quasi multimedial.

CNN im TV, Böhmis Wahllokal aufm Rechner. Nach den ersten Key Race Alerts war uns dann schon nicht mehr ganz so zum Feiern zu mute. Konnte es tatsächlich wahr sein, stand uns eine erneute „BREXIT“- Vorhersagungskatastrophe ins Haus? Wir hielten nicht die komplette Nacht durch und am nächsten Morgen, um 6 Uhr, wussten auch wir dann wie Amerika gewählt hat.

Once in a lifetime – Machu Picchu

Nun gut, kommen wir also zum Höhepunkt unseres Abenteuers – Machu Picchu. Wir machten Zwischenstopp in Ollantaytambo, einem kleinen Dorf, mit ebenfalls imposanten Inkaruinen und einer ganz fantastischen (Aufbruch-)Atmosphäre.

Früh um 6.40 fuhren wir mit dem Zug, dem Incarail, nach Aguas Calientes. Man, jetzt war ich aber auch ziemlich aufgeregt. Wie ein kleines Kind saß ich am Fenster und bestaunte dies und das – den fantastischen Ausblick, die lederbezogenen Sitze, die Panflötenmusik und den „Room-Service“ – neben einem Minisnack wurden uns leckere Getränke gereicht – nun gut bei dem stolzen Preis von 60$ pro Strecke und pro Person hätte mich das wohl nicht so wundern sollen.

Begrenzter Zugang zum Cerro Machu Picchu

Die Vorabrecherche hatte uns wieder einigen Anlass zu Sorgen bereitet. Nur 800 Personen dürfen täglich auf den Cerro Machu Picchu hinauf, in zwei Gruppen in zwei Zeitfenstern. Da wir am selben Tag anreisen, entschieden wir uns für das Zeitfenster 9-10 Uhr. Bei einer 2-stündigen Zugfahrt nach Aguas Calientes (Ankunft also um 8.40 Uhr) und nachdem es hieß wir müssten bis zu 1 Stunde auf den Bus warten plus dann nochmal 30 Minuten Fahrtzeit, war das alles sehr, sehr eng kalkuliert.

Wir zwei Glückspilze – der Zug benötigte lediglich 1h25 Minuten. Die Busse standen bereits am Bahnhof und waren abfahrtbereit. Pünktlich um 9 Uhr standen wir am Eingangstor zum Machu Picchu…und dort mussten wir dann warten! Wir waren total überrascht wie reibungslos alles verlief.

Um 9.40 Uhr checkten wir dann am Kontrollpunkt zum Aufstieg des Cerro Machu Picchu ein – jetzt ging es los! Wenig oder vielleicht sehr hilfreich war die Info, dass die Spitze um 12 Uhr zugemacht werden würde…also MUSSTEN wir in unter 2h da oben ankommen-mit welchem Algorithmus auch immer!

Hammer – wir haben den Cerro Machu Picchu bezwungen

Wir schafften den Aufstieg in 1,5h – 2,5km, 1.000 Höhenmeter!

Total fertig, aber mega glücklich kamen wir auf der Spitze an. Obwohl sich das Wetter sehr gut hielt – kein einziger Tropfen Regen, angenehme Temperaturen zum Wandern – zum Fotografieren war es leider nix.

Pünktlich um 12 Uhr machten wir uns an den Abstieg – der gefühlt länger und anstrengender war als nach oben. Und dann ging ja das eigentliche Programm erst los – nämlich Machu Picchu angucken. Es ist ja überhaupt nicht bekannt was diese Ruine eigentlich ist und weshalb sie aufgegeben wurde. Mir ist überdies auch absolut unbegreiflich wie sie so gut erhalten bleiben konnte. Ich meine hier braucht man nicht viel Fantasie, um sich Geschichte vorzustellen – hier läuft man mitten durch sie hindurch.  Und die Peruaner tun auch viel, zum Erhalt ihrer größten Einnahmequelle – überall wird restauriert und ausgebessert. Kein Wunder, wenn täglich bis zu 2.500 Touristen durch die Anlage trampeln. dsc04719

Glücklich, aber fix und fertig!

Boah waren wir fertig – unsere Beine haben gezittert, der Körper ausgelaugt von den Anstrengungen und der Sonne, die uns den ganzen Tag beschienen hat. Jetzt wollten wir nur noch sitzen und einen Kaffee trinken. Als Abschluß-iTüpfelchen gab es dann noch ein ganz ausgezeichnetes Abendessen, welches wir so überhaupt nicht in der Touristadt Aguas Calientes erwartet hätten. Wie das nun mal so ist mit den Erwartungen – hab keine und es wird ein unvergesseliches Erlebnis!

Inkaluft schnuppern in Ollanta  und zurück nach Cusco

Während Antje am nächsten Tag zu ihrem wohlverdienten Strand(kurz)urlaub Richtung Norden aufbrach, entschied ich mich noch ein paar Tage in Ollanta und Cusco zu verbringen. Sonne tanken, noch ein bißchen wandern, dass eine oder andere noch ansehen, was wir in den Tagen davor nicht geschafft hatten.

Also machte ich mich, vermutlich noch getragen von dem Höhenflug des erfolgreichen Machu Picchu-Aufstiegs, am übernächsten Tag auf zu einer Wanderung – 6-7 Stunden. Nach Aussage der Hostelangestellten sollte die Strecke die ganze Zeit gemäßigt verlaufen, lediglich die letzte Stunde/ halbe Stunde dann bergauf gehen. Sie würde diese Tour auch Rentnern empfehlen – pah, ein Kinderspiel dann ja wohl für mich.

Alle Wege führen nach Rom – oder nicht?

Irgendwie scheine ich sie allerdings gründlich missverstanden zu haben – die Strecke führte die GANZE Zeit NUR BERGAUF!!!!! Es war unfassbar anstrengend, kein Schatten – und nach zwei Stunden fing der Weg sich an zu gabeln…ich war total irritiert. Bin ich doch eh nicht der beste Pfadfinder und Google ließ mich hier, am Ende der Welt, dann doch etwas im Stich.

Ich sah weder eine Inkaruine noch einen irgendwie gearteten Weg und beschloß, dass nach 3 Stunden bergauf jetzt und hier an dieser Stelle für mich Schluß sei. Also suchte ich mir einen schönen Platz zum Mittagessen und genoß einfach nur den majestätischen Ausblick auf das Tal unter mir, die Berge vor mir und den Gipfel über mir. Selten hatte ich mir ein Essen so sehr verdient.

Pisaq – Shopping in den Anden

Und noch ein weiteres Andendorf stand auf meiner To Do Liste – Pisaq, welches für seinen bunten Markt bekannt ist.

So, morgen geht es dann weiter nach Lima. Dort treffe ich noch einmal Antje und ich muss ein paar Sachen erledigen. Kamera mal wieder reparieren, neues iPhone Display, Kosmetika auffüllen und die nächsten Wochen bis zum 20.12. planen. Es gibt immer viel zu tun ;-)!

Fotoalbum Peru

 

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