Allgemein, Bolivien

Auf dem Weg von Chile nach Bolivien – Hilfe…ich kann nicht mehr!

2. November 2016

…aufhören…meine Speicherplatte im Gehirn quillt über von diesen unfassbar schönen Bildern die sich mir seit Tagen in den Kopf fräsen.

Jeeptour von San Pedro de Atacama nach Salar de Uyuni

In den letzten 3 Tagen ist unsere kleine, aber sehr feine  Gruppe von 10 Reisenden (Brasilien, Chile, UK, Griechenland, Polen, Schweiz) mit zwei Jeeps und unseren bolivianischen Fahrern Jorge und Miguel durch die Wüstenebenen Boliviens gebrettert.

Wir haben mächtig gebibbert, vor allem in den Abend- und Morgenstunden (Minusgrade!!!), haben lautstark zu Modern Talking, CC Catch und Sandra (also eher ich) sowie chilenischen, brasilianischen und bolivianischen  (eher die anderen) Musikklängen mitgegrölt, UNO mit Mau-Mau-Karten gekloppt (kennt ihr die Regel, dass man bei den letzte beiden Karten auf der Hand „Zwei“ sagen muss????, die spinnen die Griechen ;-)), die einen mehr, die anderen weniger unter den Begleiterscheinungen der Höhe (bis zu 5.000m) gelitten und eine unglaubliche finale Fotosession in der Salzwüste hingelegt. Und ich habe den (für mich) schönsten Fleck auf dieser Erde gefunden. Mehr gibt es eigentlich gar nicht zu sagen, aber dafür zu zeigen:

Tag 1 – Abfahrt in Chile

Bereits nach kurzer Fahrt passieren wir die bolivianische Grenze. Hier, am Ende der Welt geht alles ganz schnell und komplikationslos. Wenn der Wind uns nur nicht so stark um die Ohren fegen würde. Wir werden auf die zwei Jeeps aufgeteilt. Da wir 10 sind, sollen jeweils 5 Personen in einen Jeep…Mit der Aussicht auf viel Platz und Beinfreiheit melde ich mich freiweillig und „trenne“mich von Angelos.

Nun muss ich sehen, wie ich mit meinen Spanischkenntnissen die nächsten 3 Tage überstehe…aber Carina, eine der Brasilianerinnen, spricht sehr gut Englisch und es stellt sich heraus, dass das mit dem Verstehen gar nicht soooo schlecht läuft. Später am Tag werden sowohl Angelos als auch ich mehrmals gefragt, ob alles ok sei und wir damit klar kommen „getrennt“ worden zu sein und das wir am nächsten Tag ja zusammen in einem Jeep fahren könnten. Die haben sich wirklich einen Kopf gemacht -aber es war alles perfekt so wie es war.

  • Laguna Blanca und Laguna Verde, wir befinden uns auf einer Höhe von 4.400m, kurz hinter Grenze…Team Chile, Brasilien und Deutschland ist natürlich am fotogensten, hier oben ist es sooo kalt, dass der See zugefroren ist
  • Desierto de Dali, immer wieder stoppen wir auf unserer wilden Fahrt durch die Sandwüste. Es ist absolut sureal und man kommt sich tatsächlich vor wie in einem Dali-Gemälde. Mitten im wieten Sand ein paar Felsbrocken, unwillkürlich,willkürlich angeordnet und in wieter Ferne leuchten gigantische Felsformationen in schillernden Farben. 
  • Geysires Sol de la manana, wir sind nun am höchsten Punkt unserer Reise angekommen. In 4.990m Höhe befinden sich diese farbenfrohen Sulfatgeysire. Total anders als die Tatio Geysire auf der chilenischen Seite, da hier Wasser gespuckt wird, sind diese eher kleinen Spucknäpfe besonders durch die unterchiedlichen Farben und das konstante Geblubber definitiv ein Highlight für mich. Einige von uns leiden bereits an Erscheinungen der Höhenkrankheit: Kopfscherzen und Schwindel sind die meisten Ursachen, da hilft nur beten und viele, viele, Coca-Blätter kauen.
  • Laguna Colorado, 70qm breit und blutrot…ein wahrhaftiges Naturspektakel. Und dann noch die Flamingos…es ist unmöglich hier nicht den Finger ständig auf dem Auslöser zu haben. In der Nähe der Laguna werden wir auch übernachten, in einem super einfachen Refugium, ohne Dusche und natürlich ohne Internet…in den einschlägigen Foren wurde viel über die Anbieter und Unterkünfte diskutiert und die Meinungen gehen stark auseinander. Ich kann nur sagen, dass wir mit WorldWhiteTravel einen super Griff gemacht haben. Die Unterkunft ist zwar einfach, aber das Essen schmackhaft, die Betten warm und bequem, auch wenn der Schalfsack zusätzlich absolut notwendig war, und püntklich um 21 Uhr lagen alle im Bett und warteten darauf, dass das Licht ausgeschaltet wurde. Denn Strom gibt es nur von 19-21 Uhr. Wie schön kann das einfache Leben sein. 🙂

Tag 2 – Mitten durch bolivianisches Niemandsland

  • Arbol de Piedra, der Steinbaum und viele kleine Menschenbäume – so beginnt unser zweiter Tag in mitten einer Felsformation.
  • Lagunas Altiplanicas, es folgen unzählige Seen und obwohl ich mir immer wieder vornehme keine weiteren Fotos mehr zu machen ist es schlicht und einfach unmöglich. Immer ist es eine andere Kulisse – und hier finde ich auch den für mich schönsten und friedlichsten Ort der Welt. Obwohl einige Jeeps unterwegs sind, so sind wir an einigen Orten doch die Einzigen. Ausserdem ist das Areal sooo groß, da macht es nicht viel aus, wenn der ein oder andere Jeep vor, neben oder hinter einem auftaucht.
  • Valle de Rocas, die Szenerie ändert sich ständig. Mal fahren wir mit den Jeeps durch Sand, dann plötzlich wieder auf Stein, mal gibt es Straßen, dann wieder nur die Spuren der vorangegangenen Touren und Jeeps. Mal geht die Vegetation gegen Null, dann bedecken wieder ganz viele kleine Büschchen die Erde….und immer wieder tauchen skurille Felsformationen auf. Hier im Tal der Felsen haben sich entlang der Straße verschiedene Tierköpfe über die Jahrhunderte herausgebildet. Könnt ihr den Elefanten erkennen? Und den Affen? Oder wie skuril ist bitte der Totenschädel, der da plötzlich im Nichts aufragt?

Die zweite Nacht verbringen wir in einem Salzhotel. Alles ist hier aus Salz; die Wände, das Bett, die Tische und Stühle. Leider habe ich nicht viel davon. Kaum angekommen bekomme ich so starke Kopfschmerzen, dass ich direkt nach der heißen Dusche ins Bett verschwinde und erst um 4 Uhr morgens, zum Sonnenaufgang, die Augen wieder öffne.

Tag 3- Ankunft in Uyuni

Letzter Tag, und es heißt gaaaaanz früh raus aus den Federn. In der Hoffnung den Sonnenaufgang in der Salzwüste zu sehen, brechen wir um kurz vor 5 Uhr mit den Jeeps auf. Leider stellt sich schon bald heraus, dass sich die Sonne hinter einer dicken Wolkenschicht versteckt. Trotzdem ist der Anblick fantastisch und wird wieder einmal begleitet von „ahhs“, „ohhs“, „que linda“ und „muy hermosa“ Ausrufen.

  • Isla Incahuasi, und dann das. Mitten in der Salzwüste eine kleine Insel mit zig Kakteen. Habe ich schon mal gesagt, wie skurill ich das hier alles finde?
  • Salar de Uyuni, nach dem Frühstück bei der Kakteen-Insel ist jetzt offiziell Fotoshooting Zeit. Jorge und Miguell suchen uns ein Plätzchen in der Wüste nur für uns und dort verbringen wir geschlagene 2 Stunden oder mehr … und es entstehen die lustigsten und erstaunlichsten Bilder die ich je gemacht habe…Unsere Fahrer sind wirklich super. Haben immer neue Motivideen und sind wahnsinnig geduldig!!!!
  • der Cementario des Trenes ist der letzte Punkt auf unserer To Do Liste. Es ist sooooo schade, kaum ist man in der Zivilisation und unter Menschen angekommen, verbreitet sich der Müll wieder überall in der Umgebung. Ich spare mir jetzt sämtliche klugen Kommentare….dsc04270

Uyuni – back to reality

Am frühen Nachmittag endet die Tour in Uyuni, einer mittelgrossen Stadt, die eigentlich nur dem Transitzweck für Reisende von Bolivien nach Chile und umgekehrt dient. Auch mich hält es hier nicht länger und noch in der selben Nacht steige ich in den super bequemen (ehrlich, der ist noch viel bequemer als die Busse in Chile) Nachtbus nach Sucre.

Sucre – Koloniales Juwel in Bolivien

Ich schlafe durch bis der Bus in Sucre hält – 5.30 Uhr. Die Taxifahrt ist mega günstig, nicht mal 1€ für 10 minuten Fahrt durch die aufwachende Stadt. Der Taxifahrer ist eher von der schnellen Sorte und eh man den gewonnenen Schwung von der Fahrt bergab durch lästiges Bremsen verliert, wird frühzeitig an den Kreuzungen ein paarmal gehupt und dann weitergefahren.

Im Hostel erwartet mich leider kein Bett, Check in ist erst um 13 Uhr. Gott sei dank habe ich gut geschlafen und bin nicht müde. So vertreibe ich mir die Zeit etwas mit dem Hochladen einiger Bilder, es ist unfassbar, aber das WiFi ist hier noch schlechter als auf den Phillippinen und in Indien, gehe irgendwann duschen und suche mir ein Cafe mit angeblich gutem WiFi.

Sucre ist das kulturelle Herzstück Boliviens. Blauer Himmel, weiße Gebäude, ein großer ausladender grüner Hauptplatz, viele Kirchen und traditionell gekleidete Bolivianas machen das Bild perfekt. Ich schlendere durch die Straßen, besuche ein paar einheimische Märkte und verbringe Stunden in einem süßen Cafe mit grandiosem Ausblick. Und dann zwei Tage im Bett – diese blöden Grippeanfälle. Ich bin nur wieder froh, dass mich das an einem Ort erwischt, an dem ich sowieso ausspannen wollte.

Alle Fotos gibt es hier.

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