Allgemein, Chile

Chile, lo hermosa que eres

19. Oktober 2016
Chile, wie schön du bist – Übersetzung bei Google Translator 😉

Von Santiago de Chile gen Norden

In den letzten Tagen erlebte ich praktisch den totalen Nature-Overkill. Es gibt nicht ausreichend genug Wörter dafür. Und vor allem gibt es keine Wörter, die der Schönheit der Landschaft hier auch nur annähernd gerecht werden könnten. So oft habe ich in Bussen und Autos gesessen, aus dem Fenster geschaut und war einfach nur sprachlos…Aber gut, der Reihe nach.

Erster Stop La Serena

Ich arbeite mich entlang der Küste und halte in La Serena – der ältesten Küstenstadt Chiles. Gerade ist Wochenende und am Montag nationaler Feiertag, daher ist die Stadt praktisch ausgestorben. Der alte Stadtkern von La Serena ist sehr schön, nur ohne Menschen und Leben in der Bude wirkt alles eher trostlos.

Dazu kommt, dass der Strand nicht das hält was er verspricht. Nach 20 Minuten kommen wir endlich an, es ist windig, kalt und der Strand lädt nicht unbedingt zum Verweilen ein. Nach weiteren 30 Minuten Strandspaziergang, auf der Suche nach einem Menu del dia, ist das Restaurant unserer Wahl wegen Umbauarbeiten geschlossen. Der Weg zurück in die Stadt führt uns entlang der Autobahn – danke Google Maps, trotz Option „zu Fuß“, beim nächsten Mal versuche ich es mit „Autobahn vermeiden“. Alles in allem kein besonders schöner Eindruck den die Stadt hinterlässt – dafür kann ich im Hostel endlich ein paar Tatort- Folgen aufholen!

Lichtblick Choros Inseln

Zwei Stunden Busfahrt Richtung Norden liegen die Choros Inseln – ein Naturreservat für die seltenen Humboldt-Pinguine. Schon die Busfahrt ist erstaunlich…und hier beginnt meine unglaubliche Reise durch dieses bezaubernd schöne Land.

Diese unfassbare Weite die sich vor einem auftut…am Horizont die Berge und die weit auslaufenden Täler, links der wilde Ozean, die Landschaft wird immer karger. Alles färbt sich bräunlich und die Piste, die wir von der Autobahn aus nehmen, scheint ans Ende der Welt zu führen. Wir passieren ein paar kleine Siedlungen und erreichen den Küstenort Punta de Choros – verschlafen, windig und rauh.

Nachtrag: Anfahrt zu den Inseln ist gut organisiert und klappt reibungslos

Bereits in La Serena gibt es eine Haltestelle, die extra für die Touristen die Inseln anfährt. Es ist eine offizielle Haltestelle. Jedes Hostel weiß, welchen Bus ihr nehmen müsst. Ich habe es leider schon vergessen. Und in Punta de Choros wird man direkt am „Hafen“ herausgelassen.  Hier werden wir schon erwartet und nach kurzer Einweisung geht es auf eine kleine wackelige Jolle. Keine Angst, es klingt vielleicht etwas wie Touriabzocke, aber vor Ort erwarten Dich Ranger und Offizielle des Staates Chiles. Hier musst Du dann auch noch einen kleinen Obulus zum Eintritt in den Nationalpark entrichten.

Noch hat sich die Sonne nicht blicken lassen und mein neuer Thermosweater, meine neue Regen- und Windjacke und meine neuen Handschuhe erweisen sich als sehr gute Investition. Es windet ordentlich, aber der Skipper versteht sein Handwerk und es finden nur wenige Wellen ihren Weg ins Boot.

Mit dem Boot auf die rauhe und echt kalte See

Die Isla Choros ist unser erstes Ziel – die steinigen Felsen und das rauhe Meer bilden ein perfektes Paar. Ich freue mich, hier am Ende der Welt zu sein und wieder etwas ganz besonderes erleben zu dürfen. Die Humboldt-Pinguine sind wider erwarten, oder besser gesagt, aufgrund meiner mangelnden biologischen Kenntnisse, kleiner als gedacht – sie legen ihre Eier im Inneren der Insel ab. In der Nähe zum Meer lauern zu viele Feinde, daher müssen die kleinen Kerlchen mehrmals am Tag einen ziemlich steinigen und steilen Pfad vom Meer zum Nest und zurück bewältigen.

Neben den Pinguinen gibt es noch zahlreiche andere Tierarten zu bestaunen und zu bewundern: Pelikane, seltene Vogelarten (menno, ich kann mir doch die Namen nicht immer merken), chilenische Seelöwen, Seeottern (sehr selten) und wir haben richtig, richtig großes Glück. Plötzlich tauchen direkt neben unserem Boot ein paar Tümmler auf. Mehrere Minuten begleiten wir uns gegenseitig bis jeder wieder seiner Wege zieht.

Zum Schutz des fragilen Ökosystems dürfen wir nicht von Board und steuern daher die nächste Insel, Isla Damas, an. Hier gibt es einen kleinen Rundwanderweg – und die Sonne kommt endlich raus und lässt das Meer in einem berauschenden Blau scheinen. Ich genieße jeden einzelnen Schritt auf dieser Insel. Tiere sind ja immer ein Highlight – und hier, am Ende der Welt, wird sogar die gemeine Seemöwe ein begehrtes Fotoobjekt.

Kurzer Abstecher in Landesinnere – Valley Elqui

Weg von der Küste, zurück ins Landesinnere, ins malerische Valley Elqui, führt mich meine Route. Hier, im Geburtsort des legendären Pisco, gibt es Sonne, Weinstöcke, Berge und Zeit en masse. Hier wird noch jeden Morgen entschieden, ob es sich lohnt den Laden, das Restaurant oder die Tour-Agentur überhaupt zu öffnen.

In Pisco Elqui habe ich mein Domizil für die nächsten 3 Tage….und lasse mich am ersten Abend direkt mal von einem Italiener bekochen. Gemeinsam mit dem Hostelmanager sitzen wir zu später (und leider auch wieder sehr kalter) Abendstunde auf der Terrasse, verspeisen Pasta und Wein und versuchen Sternbilder des Südens zu erkennen. Unter erschwerten Bedingungen, denn zum Einen ist das Licht durch den zunehmenden Mond viel zu stark und zum Anderen schiebt sich dann doch die ein oder andere Wolke davor. Schade, denn hier sollen die Sterne am Besten zu beobachten sein. Aus dem Sternegucken wird auch die nächsten zwei Abende leider nix.

Voll motiviert stiefel ich am nächsten Tag los zu einer kleinen Wanderung…die Straße hoch, dann rechts, direkt die erste links …so die Anweisungen von Guillermo, dem Hostelmanager. Ab da gehen viele verschiedene Pfade ab, die sich sehr gut zum Wandern eignen. Tatsächlich fand ich diese auch. Meiner faulen Natur geschuldet, entschied ich mich nach einem kurzen, aber heftigen Anstieg für den gerade aus weiterführenden Weg, am Hang entlang und gegen den weiter ansteigenden Weg Richtung Bergspitze.

Vermutlich mein erster Fehler an diesem Tag. Eine ganze Weile lief ich so am Hang entlang, immer wieder kreuzten kleine Pfade nach unten oder oben meinen Weg, und da sich die schöne Landschaft jedoch nicht weiter änderte, beschloß ich zu versuchen, mitten am Hang weiter nach Oben, zum Rand des Berges zu kommen. In der Hoffnung, von da einen noch grandioseren Ausblick und vielleicht auch einen anderen Blick zu bekommen.

Also beging ich den vermutlich zweiten Fehler des Tages und ließ den sicheren Trampelpfad nach unten buchstäblich links liegen und wackelte mich tapfer weiter Richtung oben des Hanges. Mit jedem Meter wurde der einstige gut sichtbare Trampelpfad immer weniger gut sichtbar, bis er gar nicht mehr zu erkennen war und scheinbar nicht mehr existierte. Ich fing an mit meinen „super Wandersneaker“ den Hang entlang zu rutschen und als sich dann vor mir eine tiefe Schneise auftat und das Gestein und Geröll, auf dem ich gerade stand, langsam zu bröckeln anfing, bröckelte auch mein Mut gewaltig.

Ich wand die Schneepflug-Technik an, um irgendwie sicher wieder nach unten, auf die Straße, zu kommen. Langsam tastete, rutschte und schlitterte ich von links nach rechts und wieder nach links und wieder nach rechts. Als ich nach gefühlten Stunden endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte dachte ich: „Was für eine Schweißwanderung-das hat man nun davon!“

Gott sei Dank blieb mir eine weitere Exkursion zu Fuß oder mit dem Fahrrad erspart, da ich am nächsten Tag mit einem Grippeanfall das Bett hüten konnte.

Back on the road – Next stop: San Pedro de Atacama

Noch etwas mulmig im Magen und wackelig auf den Beinen machte ich mich tags darauf zurück nach La Serena und bestieg um 15.50 Uhr den Bus – der mich 17 Stunden später im nördlichen San Pedro de Atacama, mitten in der gleichnamigen Wüste, absetzen würde.

Also die Busse in Chile sind ein Träumchen: Panoramafenster, Beinfreiheit, großzügiger Neigungswinkel der Lehne, USB-Schnittstelle zum Aufladen sämtlicher elektronischer Kleinstgeräte…kurz, ich hatte eine gute Nacht und kam fit gegen 8.30Uhr im Hostel an.

Backpacker- und Tourenparadies in der chilenischen Salzwüste

Hier kam ich sogleich ins Gespräch mit einer Argentinierin und zwei deutschen Mädels, die mir direkt ein paar Touren empfahlen. Denn nach San Pedro kommt man, um Touren in und um die chilenische Salzwüste zu machen. Viel, viel cooler ist es natürlich mit dem eigenen Auto unterwegs zu sein, da ich das aber leider nicht bin, musste ich aus dem unglaublichen Angebot an Touren für mich die passenden raussuchen. Leider immer unter dem Motto “ Ich, der unglaubliche Sonnenuntergang/ die wunderschöne Lagune/ der krasse Ausblick….und 100 andere Touristen“. Also ging ich auf Touren-Shopping! 🙂

Die besten Touren rund um San Pedro de Atacama

Bereits nach zwei Agenturen hatte ich jedoch keine Lust mehr und entschloß mich, beim Schnäppchenangebot von 4 Touren zum Preis von 70.000 chilenischen Pesons, knapp 100 Euro, zuzuschlagen. Und so waren die kommenden 4 Tage seit langem mal wieder so richtig verplant und ausgefüllt. Ich will gar nicht so viele Worte verlieren. Wie eingangs schon erwähnt gibt es nämlich nicht annähernd genug davon für diese unglaubliche Schönheit. Ich hoffe die Bilder können Euch in etwa eine Vorstellung geben, in welchem Paradies ich mich gerade befinde:

  1. Laguna Cerjar

    Salzlagunen, hier kann man im (richtig kalten) Wasser schweben, was ich mir natürlich nicht habe nehmen lassen. Anschließend aufwärmen bei Sonnenuntergang und einem Pisco Sour 🙂

  2. Tatio Geysire

    Meine ersten Geysire überhaupt. In ca. 5.000m Höhe wurde es ordentlich kalt. Die Hot Springs waren leider eher ein laufwarmes Tümpelchen, aber wieder einmal in traumhafter Kulisse. Anschließend Frühstück mit frischen Rühreiern und Kaffee 🙂

  3. Chaxa Lagune, Piedras Rojas, grüne Lagune, Miscanti und Meñiques Seen

    Eine Tagestour die von der Salzlagune mit den pinken Flamingos, über die Piedras Rojas und der grünen Lagune bis zu den tiefblauen Seen in einer Höhe von über 4.000m führt. Meine bisher größte Herausforderung in Sachen Kälte. Der Wind, der Wind das himmlische Kind – zwischendurch war ich ziemlich sauer auf den Wind, denn es war sooooooooooooooooo kalt. Und dabei wollte ich den Tag in Jeansshorts starten – Gott sei dank hat einer meiner Mitbewohner kurz vor Aufbruch noch etwas gesagt wie „Könnte ziemlich kalt werden da oben“ – so dass ich mich in letzter Sekunde für Jeans und Funktionsklamotten entschied. Brrrrrrrrrrrrr!

  4. Valle de Lunaimg_7234

    Nur wenige Plätze auf der Erde ähneln so sehr der Mondoberfläche wie das, daher auch so benannte, Valle de Luna. Die Sanddüne im Hintergrund dieses Bildes ist knapp 700m breit. Bevor wir uns an den sandigen Aufstieg machten, ging es durch ein felsige Schlucht und Höhle – alles wirkt so surreal, tatsächlich als ob man auf einem anderen Planeten ist.

Ein „ruhiger“ Nachmittag in San Pedro

Plötzlich, an einem sonnigen Nachmittag, wenn alle Leute unterwegs sind auf ihren Touren, schallt laute Pop- und Hip-Hop-Musik durch die verschlafenen Gässchen. Mitten auf dem Marktplatz findet ein Hip-Hop Wettbewerb statt, so richtig mit gegeneinander batteln und Juryentscheid. Soweit ich es verstanden habe waren die Teilnehmer aus Chile und sogar aus Bolivien.

Reisebekanntschaften sind hier so leicht und schnell geschlossen wie nirgendwo sonst

Einhergehend mit den ganzen vielen Aktivitäten habe ich sehr viele nette und lustige Menschen kennengelernt. Meine Zimmernachbarn aus Griechenland und Brasilien sind soooo lustig, da vergeht einem sofort jede schlechte Laune. Es sei denn einer davon verbreitet Reiseplanungspanik!!! Angelo begleitet mich auf der  3Tage/2 Nächte –Tour durch die bolivianische Salzwüste, Endstation Uyuni, Bolivien. Wir haben beide ziemlich Schiss vor der Kälte. Ausserdem gibt es eine Nacht keine Dusche, die ganze Zeit kein Internet und die Bewertungen der Touren und Anbieter sind sehr durchwachsen. Wir machen uns auf das Schlimmste und zugleich das Schönste gefasst.

Alle traumhaften Bilder von Chile wie immer zusammengefasst im Fotoalbum. Neu: die Bilder sind jetzt nach Aktualität sortiert und verortet. Danke Google 🙂

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3 Kommentare

  • Antworten Bee 22. Oktober 2016 at 20:04

    Grad bereue ich es ein wenig, dass ich mich gegen Chile und für Panama entschieden hab…

    • Antworten missbontour 22. Oktober 2016 at 20:07

      Nein, auf keinen Fall. Das wäre dir viiiiieeeeellll zu kalt 😉

  • Antworten somewheretohide1992 5. Februar 2018 at 1:01

    Tolle Bilder!

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