Allgemein, Asien, Indien

Kerala (Teil 1) – Umgeben von kleinen und großen Wassern

29. April 2016

Mittlerweile bin ich ganz im Süden gelandet, im Bundesstaat Kerala. In meinen Vorstellungen und Erwartungen ist Kerala der „andere“ Strandstaat Indiens. Zusätzlich gibt es noch die berühmten Backwaters und Chinese Fishing Nets. Also war der erste Stop Fort Cochin, ein kleiner historischer Stadtkern auf einer Halbinsel, die Ernakulum, dem eigentlichen Transport- und Lebensmittelpunkt in Cochin, vorgelagert ist. Meine Unterkunft lag ungünstigerweise relativ mittig auf der Insel, so dass ich gute 25 Minuten mit Sack und Pack in der sich gen Mittag neigenden Sonne unterwegs war. Fix und alle kam ich in der Unterkunft an – gefühlt hatte ich schon die ganze Insel gesehen. Und so zeigte mir der Hausherr mein Bett, in einem 4-Bett-Zimmer, welches ich ganz für mich allein hatte, und meinte ich könnte mich ja erstmal frisch machen ;-). Mittlerweile bin ich bei drei Duschgängen pro Tag angekommen – auf abtrocknen verzichte ich schon vollständig.

Da ich wieder via Nachtbus gereist bin, nutzte ich die unerträgliche Hitze zwischen 12-15 Uhr als perfekte Entschuldigung, um den versäumten Nachtschlaf nachzuholen. Ich hatte auch nicht wirklich das Gefühl was zu verpassen, da es lediglich zwei Bereiche auf der Insel zu erkunden gibt und ich wie gesagt, schon ordentlich Fuß(kilo)meter zurückgelegt hatte. Bevor ich dann gen späten Nachmittag aufbrach, konsultierte ich noch den Hausherrn um Rat bezüglich der weiteren Reiseplanung. Mittlerweile brauchte ich wieder einen Plan, da ich nur noch wenige Tage hier in Indien habe. Am 2. Mai geht es weiter nach Sri Lanka. Am Ende haben ungefähr drei Leute an meinem Plan für die nächsten 10 Tage getüftelt, den ich bisher auch exakt so eingehalten habe :-).


DSC00605Fort Cochin
hat mich persönlich nicht so beeindruckt – schön war natürlich die Atmosphäre am (bzw. trotz leider stark verschmutzen) Strand zum Sonnenuntergang. Die Fischernetze sind das inoffizielle Symbol für die Backwater Region. Vor allem für die lokalen und ausländischen Touristen werden die Netze noch manuell betrieben. Dafür werden mindeste
ns vier Mann benötigt.
Obwohl heutzutage effizientere Methoden diese romantische Art der Fischerei abgelöst haben, wird der abendlic

DSC00602he Fang am Strand den Leuten angeboten. In den wenige Metern entfernten Garküchen, wird dieser dann je nach Wunsch zubereitet und es ist wirklich köstlich und ein kleines Highlight. Ich hatte mir eine ordentliche Portion Calamaris und einen kleinen Tintenfisch ausgesucht  – in ordentlich Knoblauch angebraten, mit Limette und Kräutern gewürzt, ein Gedicht für den Gaumen. Während ich da so vor mich her schlemmte, machte ich die Bekanntschaft von Shafeeque. Er kommt aus Cochin und konnte sehr gut Englisch, was die Unterhaltung mit ihm sehr einfach und spannend machte. Das mit dem Englisch ist ja so eine Sache…und eigentlich bestätigt sich das bei jeder Reise, die ich in Asien bisher unternommen habe. Es ist durchaus nicht so, dass die ganze Welt Englisch spricht. Ich meine dazu müssen wir uns ja nur mal unser Nachbarland Frankreich ansehen. Allerdings dachte ich immer, dass gerade weil britische Kolonie und Amtssprache, es in Indien einfacher sein würde, sich mit den Einheimischen zu verständigen. Shafeeque erklärte mir dann, dass in Indien fast jeder Bundesstaat eine eigene Sprache hat, die vermutlich weniger gemein haben als Sächsisch und Bayrisch. Dann lernen die Kinder in der Schule Hindi, die offizielle Sprache Indiens und als dritte „Fremdsprache“ Englisch, die Amtssprache – uff, ganz schön viel, wenn man bedenkt, dass ich als zweite Sprache Englisch gelernt habe und bei den 3.,4. und 5. Sprachlernversuchen so gut wie nix hängen geblieben ist! Tja, und dann überlegen wir mal, wie viel Busfahrer in Deutschland, sowohl in den Metropolen als auch in kleineren Regionen könnten auf Englisch antworten und Fragen verstehen? Vermutlich eher wenige. Wie man merkt versuche ich mir gerade die Unwägbarkeiten meiner Reise schön zu reden. 😉 Und wo wir gerade bei Unwägbarkeiten wären: irgendwo habe ich anscheinend überlesen, dass die Inder wenn sie „Ja“ meinen, so komisch mit dem Kopf wackeln, dass ich es bis vor ein paar Tagen immer als „Nein“ aufgefasst habe und mehrmals mit zunehmender Lautstärke, Gestiegen und Verzweiflung meine Fragen/ Wünsche wiederholt habe. Ist nämlich lebenswichtig, wenn man in einem lokalen Bus sitzt und nicht weiß wann man wo raus muss. Wenn man dann auf die Bitte, ob einem mitgeteilt wird, wenn man aussteigen muss, mit einem Kopfschütteln geantwortet wird, ist man natürlich erstmal irritiert. Jetzt, am Fast-Ende meiner Indienreise, habe auch ich diese Geste zu deuten gelernt!

Shafeeque hatte mir dann noch sehr detailliert den Weg bzw. die Reisemöglichkeit zum nächsten Ziel mit dem lokalen Bus erklärt, nachdem er von meinem komplizierten Anreiseplan, den ich von der lokalen Reiseagentur empfohlen bekam, gehört hatte.  Ausgerüstet mit genauesten Instruktionen bin ich mutig am nächsten Morgen los, ohne irgendetwas im Voraus gebucht zu haben. Und es hat super funktioniert. In kürzester Zeit und so günstig wie noch nie, war ich in Alleppey – dem Herzen der Backwaters und mega Stolz auf mich!

DSC00615Wenn Hampi als Rom Indiens gilt, so wird Alleppey gemeinhin als Venedig Indiens bezeichnet. Ich würde es treffender mit unserem schönen Spreewald vergleichen. Die Stadt an sich hat nicht viel zu bieten, ausser einem Kino 😉 und natürlich der Anlegestelle für die unzählich vielen kleinen und großen Boote, mit denen man die Wasserstraßen erkunden kann. Am liebsten wäre ich mit einem Hausboot losgeschippert, aber das ist allein nicht zu bezahlen. So entschied ich mich für einen lazy day am Strand (inkl. dem ersten richtigen Sonnenbrand, im Schatten!!!), Sonnenuntergang bestaunen mit den Einheimischen am Strand und wie gesagt, meinem ersten Kinobesuch. Bevor der Film losging wurde die Nationalhymne angestimmt und alle im Saal erhoben sich und sangen aus voller Inbrunst mit.

Die Backwaters habe ich am nächsten Tag mit der Fähre durchquert – 8h lang nur das Wasser, ich, sowie noch eine italienische und indische Familie. Insgesamt also 8 zahlende Reisende, zzgl. 8x Personal – und es war herrlich. Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von vielleicht 10-15km/h tuckerten wir die 92km nach Kollam. Entlang der Kanäle spielt sich das übliche Leben ab…Frauen die Wäsche waschen und Geschirr spülen (in den Kanälen), Kinder die entlang der Kanäle Fahrrad fuhren oder Jugendliche, die mit ihren Mofas dort entlangheizten oder im Wasser planschten und uns mit großem Hallo begrüßten. Von einfachen kleinen, halb zerfallenen Baumhütten bis hin zu großen Ressorts ist alles vertreten. Ich hätte nicht gedacht, dass man soviel von den Backwaters auf der Fähre sieht, aber neben den großen Wasserwegen sind wir auch durch kleine Kanäle geschippert und haben zwei große Seen überquert. Eines der schönsten Erlebnisse und besser hätte eine organisierte Tour nicht sein können. Ganz im Gegenteil, bei diesen Touren wird man an diverse Verkaufsstände gelotst und kehrt bei einer Familie zum Lunch ein, was dazu beitragen soll das Leben der Einheimischen kennenzulernen, in meinen Augen aber immer etwas von Zirkus und Vorführen hat – für beide Seiten.

 

In Kollam angekommen, ging es direkt zum Busterminal und weiter nach Varkala – einem der großen Strände in Kerala. Für die wenigen km (26km) brauchte der Bus gut 2h! Das nenn ich mal langsames Reisen. Dann noch mal umsteigen, in einen anderen Bus, die letzten km zum Kliff dann mit dem Tuk Tuk und ich war angekommen – im Dunkeln und ohne Bleibe. Aber das ist mittlerweile normal für mich. Dank der Nebensaison, die man jetzt wirklich überall spürt, ist es überhaupt kein Problem ein Zimmer oder Bett zu einem günstigen Preis zu bekommen. Allerdings verdoppeln sich die Preise schnell mal in der Hauptsaison, was für mich echt utopisch ist, da die Unterkünfte diese Standards zumeist überhaupt nicht widerspiegeln. Ich bin ja eher günstig unterwegs, also ein Zimmer für unter 10€/ Nacht muss drin sein – und die Unterkünfte die ich dann bekomme sind für das Geld auch ok. Aber mehr dafür zu zahlen? Ich weiß nicht!

DSC00708Laut Planung hatte ich für Varkala zwei Nächte – und mehr brauchte ich auch nicht. Der Strand ist zwar schön, bietet aber überhaupt keinen Sonnenschutz. Und dank dem Sonnenbrand war stundenlanges sonnenbaden eh nicht drin. Was hier wieder einmal besonders schlimm ist, ist das Thema Müll. Langsam bin ich es leid diese schöne Landschaft immer wieder von Bergen an Müll überschüttet zu sehen. Es gibt Bemühungen, die Strände sauber zu halten, oder z.B. findet man an heiligen Städten oder besonderen Sehenswürdigkeiten kein Krümelchen Müll. Ab und an weist ein einsames Schild darauf hin, hier keinen Plastikmüll zu entsorgen. Es ist unvorstellbar – und vermutlich dauert es noch Generationen, bis Themen wie Umweltschutz und Recycling hier in Indien und überhaupt in Südostasien angekommen und verinnerlicht sind. Denn das gleiche Bild bietet sich einem in Kambodscha und teilweise auch in Thailand und mit Sicherheit in anderen Ländern.IMG_5538

Tja, und das war es dann auch schon mit dem Süden. Von hier aus geht es in die Berge, in den nördlichen Teil von Kerala, nach Munnar. Aber davon berichte ich in Kürze.

Aufgrund der super langsamen Internetverbindung gibt es leider keine neuen Fotos.

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1 Kommentar

  • Antworten Bee 29. April 2016 at 10:05

    Das leidige Thema Müll…
    Um die Backwaters-Tour beneide ich Dich sehr!

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