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Kerala (Teil 2) – Von der Schönheit der Berge

2. Mai 2016

Boah, was für ein Harakiri-Trip – ich muss wirklich noch an meinem Reisetiming arbeiten! Meine nächste Station sollte Munnar, in den Bergen, den Western Ghats, sein. Der effizienteste Weg dorthin wäre gewesen, zurück nach Fort Cochin mit dem Zug und von dort aus mit dem Bus – insgesamt evtl. so 7h. Aber ich habe so eine Eigenart, ich versuche möglichst Orte zu umgehen, an denen ich schon einmal war. Deswegen wollte ich partout die Strecke nach Fort Cochin vermeiden und ausserdem war ich doch jetzt schon ein fast Einheimischer mit meinen local Bus Fähigkeiten. Ich hätte schon stutzig werden müssen, als mir in Varkala niemand eine wirklich konkrete Aussage geben konnte, wie man von dort am besten nach Munnar kommt. Von „geht gar nicht“, bis „ja, ja (also Kopfwackeln) geht mit einmal umsteigen“ war alles dabei – und ich total ge(ent)nervt. Weil ich es so wollte, habe ich mich dann an die für mich am besten passende Information gehalten, und bin frohen Mutes am nächsten Morgen losgestiefelt. Die ersten beiden Etappen (Tuk Tuk und Zug) klappten reibungslos, danach war alles nur noch ein Rätselraten, Kopfwackeln von Seiten der Inder und zunehmende Ungeduld meinerseits – welche sich darin äussert das ich anfange in deutsch vor mich her zu murmeln. Auch nicht grad hilfreich im Rahmen der internationalen Völkerverständigung. Nun gut, hilft ja alles nichts…immerhin bekam ich die Info, dass ich von hier aus in eine größere Stadt fahren könnte, deren Namen ich mir natürlich nicht gemerkt habe und die noch nicht mal im Lonely Planet verzeichnet ist. Dort würden dann „öfters“ Busse nach Munnar direkt fahren. Mir wurde noch schnell der entsprechende Bus gezeigt, der schon im Begriff war loszufahren und mich dann netterweise noch aufspringen ließ. Dort angekommen, fuhr tatsächlich auch eine Stunde später ein entsprechender Bus. Ungelogen 5x bin ich zum Infoschalter, um sicherzugehen, dass ich an der richtigen Plattform stand, um die Zeitangabe noch einmal zu bestätigen, etc. Zwischendurch hatte mich nämlich ein „Offizieller“ wieder aus dem Konzept gebracht, der meinte „nach Munnar…erst am Nachmittag“…es war zum Verzweifeln. Zu allem Überfluss war an keinem Bus das Ziel in Englisch angeschrieben. Ich konnte also nur raten und zu gegebener Zeit entsprechend nachfragen. Obwohl ich eigentlich ganz optimistisch war, muss ich etwas anderes ausgestrahlt haben, denn ein Inder kam auf mich zu und bot mir seine Hilfe an, welche ich dankend annahm. Er schaute ab da ganz genau auf jeden einfahrenden Bus. Als um kurz vor 12, der Bus sollte um 11.45 Uhr eintreffen, der entsprechende immer noch nicht da war, wurde er nervös – und erkundigte sich ebenfalls am Infoschalter :-). Als der richtige Bus, dann ein paar Minuten später eintraf, waren sowohl ich, als auch er sichtlich erleichtert. Blitzschnell erklomm ich die Stufen und ergatterte den ersten Sitz, gleich vorn neben dem Fahrer mit der besten Aussicht. Allerdings fiel ich fast vom selbigen, als die Fahrt losging und der Fahrer wie verrückt auf die Hupe drückte. Was ja an sich nichts besonderes ist, allerdings von solch einer Lautstärke, dass ich nicht wusste, ob ich am Ende der Fahrt auf dem rechten Ohr noch in der Lage wäre etwas zu hören. Wir tuckerten 7(!)h durch die Gegend. Und die Landschaft wurde immer grüner und langsam auch bergiger. Besonders erstaunt haben mich die vielen Villen die immer wieder am Straßenrand auftauchten. Riesige Einfahrten, doppelstöckig, reichlich verziert und dekoriert, fast schon pedantisch sauber und gepflegt – ich kam mir nicht wie in Indien sondern eher wie in Hollywood vor. Beim nächsten Teestop fragt ich mal vorsichtig nach, wie lange wir noch unterwegs wären, denn eigentlich hätten wir um diese Zeit schon am Ziel sein sollen. Noch zwei weitere Stunden und es wurde bereits dunkel und ich hatte wie immer noch keine Unterkunft. Ich rutschte tiefer in meinen Sitz während sich der Bus langsam km um km die Berge hinaufschraubte. Nun war es bereits dunkel, es hatte sich merklich abgekühlt und plötzlich hatte ich eine Art von Pfefferminzgeruch in der Nase – sicherlich nur eine Fata Morgana, aber nach diesem anstrengenden Tag fühlte ich mich im Paradies angekommen. Ich konnte nur erahnen wie schön es hier sein musste, und entschied nur eine Nacht direkt in der Stadt zu bleiben und mir für die verbleibenden Tage eine Unterkunft direkt im Dschungel bzw. inmitten der Plantagen zu suchen.

Wie schön es hier war habe ich am nächsten Morgen gesehen und gespürt. Die Luft war um so vieles klarer, ein strahlend schöner Morgen erwartete mich und eine unbeschreiblich schöne Unterkunft. Ich war ja noch nie in der Nähe einer Teeplantage und ich freute mich darauf, hier und dort ein bißchen langzuschlendern.

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Mein kleines Cottage lag ca. 13 km von Munnar entfernt, was mit dem Bus eine gute halbe Stunde Fahrt bedeutete. Was mich allerdings davon abhielt, in den kommenden drei Tagen die Stadt zu besuchen, war die steile, und es war wirklich eine steile Serpentinenstrecke, um an die Hauptstraße und die Bushaltestelle zu kommen. Auf der anderen Seite sah es auch nicht besser aus, also wenn ich mein grünes Exil verlassen wollte, dann musste ich wohl oder übel die z.T. fast 90 Grad anmutende Steigung bezwingen. Das erste Mal war wirklich hart, das zweite und dritte Mal ging es gefühlt etwas leichter, aber einfach war es noch lange nicht. Ich denke mit Schrecken an den Adam’s Peak, einen Berg in Sri Lanka, dessen Gipfel ich nach etwa 5.200 Stufen erreicht haben möchte – noch habe ich Hoffnung, aber die letzten Tage haben mir gezeigt in welch schlimmer konditioneller Lage ich mich befinde :-(.

Am letzten Abend entschied ich mich noch einmal in das kleine Städtchen zu einer kulturellen Vorführung zu wandern. Bei Kathakali handelt es sich um Theater, mit ganz viel Schminke und vor allem mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik, mit der die Protagonisten die Inhalte vermitteln.

Kalarippayat, ist wohl die älteste Form der Martial Arts. Von ihr sollen Judo, Taek Won Do und alle anderen Kampfsportarten abstammen. Besonders beeindruckend war die Vorführung mit sogenannten Metallpeitschen – die wild durch die Luft gewirbelt wurden, mit so einer Stärke, dass ich das Gefühl hatte, kleine Partikelchen würden sich durch den Aufprall auf den Boden lösen und durch die Luft schwirren – gefühlt habe ich welche abbekommen und bin auf meinem Platz in der ersten Reihe ziemlich unruhig hin und her gerutscht.

Der Weg aus den Bergen heraus war noch um so vieles atemberaubender und schöner – die Western Ghats sind unglaublich beeindruckend und hier kann man durchaus ein paar Tage mehr verbringen. Aber ich musste weiter, denn das Ende meines Indienabenteuers ist erreicht.

Jetzt bin ich auf dem Weg nach Sri Lanka, Colombo. Nur eine Stunde Flug trennen die beiden Länder an dieser Stelle voneinander. Ich bin gespannt wie sehr sich die Länder ähneln und was Sri Lanka für Bettina und mich an Erlebnissen bereithält.

Und hier die neuesten und letzten Bilder aus Indien.

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