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Reisebibliothek: „Du bist nicht so wie andre Mütter“ von Angelika Schrobsdorff

10. April 2016

Meine Bewertung: 4 Sterne

Wovon handelt das Buch?
Der Titel lässt es vermuten, es geht um Mütter, bzw. um die Mutter von Angelika Schrobsdorff. In erster Linie ist es ihre Biographie. Was das Buch für uns Berliner besonders interessant macht, Else Schrobsdorff, geb. Kirschner wächst auf und lebt in Berlin – in den Zeiten kurz vor dem 1. Weltkrieg, den goldenen Zwanzigern, Aufstieg, Höhepunkt und Fall der Nazis, bis zum Ende des zweiten Weltkriegs. Und Else Kirschner ist Jüdin, allerdings ist alles an ihr unjüdisch. Eine ihrer Lebensweisheiten fand ich besonders schön „eine Frau sollte von du_bist_nicht_so_wie_andre_muetter-9783423119160jedem Mann den sie liebt mind. ein Kind bekommen“. Nun ist das in den heutigen Zeiten vermutlich nicht unbedingt ratsam, hält die Liebe in einigen Fällen vermutlich nicht mal eine Schwangerschaft lang- aber Else bekommt insgesamt drei Kinder – von jeweils einem anderen Mann. Das Leben dieser Frau ist schon faszinierend, und obwohl ich nicht unbedingt behaupten kann, dass alles was Else mit und in ihrem Leben anstellt sie mir sympathisch gemacht hat, ganz im Gegenteil, so hilft das Buch vielleicht etwas zu verstehen, warum Eltern manchmal so sind wie sie sind. Es gibt immer Gründe und Umstände die hinter Handlungen stehen und als Kind kennt man nichtmal einen Bruchteil davon.

Die zweite Hälfte des Buches spielt während der Nazizeit…Hat Else bisher in Ihrem Leben das jüdische komplett ausgeblendet, muss sie jetzt der bitteren Wahrheit ins Ausge sehen…auch wenn die Einsicht fast zu spät kommt. Wenn man sich fragt, warum sich so wenig Juden rechtzeitig in Sicherheit gebracht haben … nun hier findet man eine von sicherlich vielen möglichen Antworten.

Gibt es einen Lieblingscharakter?
Nein, ganz im Gegenteil. Jede Figur wird mit Ihren Stärken und Schwächen dargestellt, selbst die Autorin nimmt sich davon nicht aus.

Würde ich es weiterempfehlen?
Unbedingt, aber es ist ein echt dicker Wälzer, über 500 Seiten, den es nicht als E-Book gibt. Trotzdem wanderte das Buch in den Rucksack mit dem festen Vorsatz es sobald ich es ausgelesen habe, es an diesem Ort zu belassen. Nun, das Buch reist gerade weiter mit mir mit, weil ich es doch schon gern in meiner realen Bibliothek stehen hätte, bzw. weil ich noch auf einen Ort warte, der es wert ist, dass ich es da lasse.

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