Allgemein, Panama, Südamerika

San Blas – Eine Insel für jeden Tag

14. Februar 2017

Und wieder verlasse ich ein Land. Mittlerweile bin ich bereits durch 12 Länder getingelt, mas o menos. Dieses Mal wird das neue Ziel mit dem Segelboot angesteuert.

Von Cartagena, Kolumbien, geht es über die legendären San Blas Inseln nach Panama. Die Route ist sehr beliebt bei Backpackern – und da Boot ja schließlich Wasser bedeutet bin ich NATÜRLICH dabei. Dem einen oder anderen Leser dürfte bereits bekannt sein, dass alles, was bei drei nicht den Anker gelichtet hat, von mir geentert wird ;-).

Ich bin über den Anbieter Blue Sailing auf mein Boot, die Mintaka,  und meine Crew gestoßen. Ein Besuch vor Ort bei der Agentur in Cartagena ist aber auf jeden Fall empfehlenswert. Schon allein wegen der Visa und man kann sich persönlich beraten lassen, welches Boot am geeignetsten ist. Also Party vs. Entspannung ;-).

Mit dem Segelboot von Kolumbien via San Blas nach Panama

Das Boot teile ich mit weiteren 7 Passagieren aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden. Ein Gruß an dieser Stelle an meine Mintaka-Crew.

Die Mintaka ist ein Segelboot, welches unter deutscher Flagge segelt. Entsprechend sind die Besitzer und die eigentliche Crew ein deutsches (Fast-Rentner-) Ehepaar. Beide besegeln bereits seit 26 Jahren die Weltmeere -Respekt!

In einer sehr detaillierten und informativen E-Mail wurden die Törnteilnehmer bereits auf das anstehende Abenteuer eingeschworen:

  • keine Plastikflaschen an Board bringen,
  • kein Bier mitbringen, dies gibt es günstig an Board,
  • max. „Handgepäck“ von zwei Schuhkartons (ähm…Stiefel oder FlipFlop-Kartongröße?),
  • keine Pumps an Board (ahhhh Mist, ich wollte doch endlich meine frisch erworbenen Salsa-Kenntnisse an Board ausleben),
  • ausreichend vorbeugende Medikamente gegen Reiseübelkeit (pah, ich als Wasserüberquerungs-Pro kann doch mit den paar Wellen umgehen), u.v.m.

Bin ein wenig dazu verleitet das Ganze mit typisch deutsch abzukanzeln, aber die Mail war tatsächlich nützlich und hilfreich. Vermutlich bin ich solch Akribie einfach schon zu lange nicht mehr gewöhnt ;-).

Pünktlich um 17 Uhr waren alle, also wirklich alle, am vereinbarten Treffpunkt und wir enterten die Mintaka, die für die nächsten 5 Tage unser zu Hause sein wird.

Regeln, Regeln und…auch ein bißchen Spaß

Bereits nach der (natürlich ebenso detaillierten ) Einführung ins Boardleben schwante mir nichts gutes. Die Mintaka wurde mit eiserner Hand geführt. Anbei ein paar Beispiele:

  • Duschen: die Duschkabine war nicht nutzbar, da dort unsere Reiserucksäcke gelagert wurden, an die wir während der Überfahrt nicht herankonnten. Es gab eine Außendusche, die mit Frischwasser gespeist wird. ABER die Duschzeit war natürlich begrenzt. Shampoo und Duschbad waren zuerst mit Meerwasser abzuspülen, bevor man(n) und frau dann unter die Frischwasserdusche durften. Unter dem wachsamen Auge und Ohr wurden die allabendlichen Duschgänge beobachtet und kommentiert „Florian, soll ich die Stoppuhr holen?…“ oder „Janine, gehst du heute noch mal ins Meer?…“
  • Toilette: es gab ein sehr modernes und gut funktionierendes Vakuum-WC welches wir auch für Nr. 2 benutzen durften. Allerdings musste erst die Eignungsprüfung zur Toilettenbenutzung abgelegt werden, von jedem!
    Wasser pumpen, Geschäft verrichten (also erstmal in der Theorie), Wasser und Geschäft ablaufen lassen, für Nr.1 exakt 5 sek das Pedal gedrückt halten, für Nr. 2 exakt 10 sek. Und bevor man die Toilette verlassen durfte unbedingt darauf achten, dass das rote Lämpchen aus ist, sonst…ja, was eigentlich…hmmm, wird vakuumiert bis zum Sankt Nimmerleinstag???? Auch hier wurden sämtliche Toilettengänge mit Argusohren bewacht „…das waren jetzt aber keine 5 sek – dass muss länger!“
  • Nutzung von Licht und Ventilatoren: Boote sind nicht gerade geräumig und unter Deck ist es dann doch eher stickig…also gab es netterweise in jeder Kabine einen (Mini-)Ventilator und kleine Bettleuchten. Wehe dem, der vergaß eines oder gar beide Geräte bei Nichtnutzung auszuschalten…fast täglich wurde eine Kabine dieser Schandtat überführt …und mit anklagender Stimme wurde dann verkündet „…Kabine xy hat schon wieder den Ventilator angelassen. Diesmal habe ich ihn ausgeschaltet, dass nächste Mal müsst ihr das selber machen.“… ah ok. Machen wir!
  • Küchendienst: während wir ankerten wurde vereinbart, dass immer zwei den Abwasch erledigen sollte – kein Problem. Zum ersten Waschgang war Seewasser aus dem Hahn zu nutzen, für die Feinspülung dann Frischwasser. Während ich so vor mich herspülte und effektiverweise gleich einen Stapel Teller unter fließendem Meerwasser vorspülte hallte es von hinten „Das Wasser nicht so lange laufen lassen!“ „Ähm wie, auch das Meerwasser nicht (davon gab es doch reichlich)?!?!?!?““Ach so, nee dann ist ok, kannst weitermachen.“ Tranquillo, 1,2,3,….8,9,10, ganz ruhig Braune…waren nur einige meiner Mantren für die nächsten Tage.
  • Schnorcheln: zu diesem Thema gab es fast das erste Gemetzel an Board. Natürlich zwischen mir und dem Kapitän…mittlerweile müsste Euch klar sein, dass ich bereits mit dem oben aufgezählten so meine Probleme hatte…Die Regel lautete: Schnorcheln DURFTE nur, wer dies mit Flossen tat. Ich verabscheue Flossen und fühle mich sicherer im Wasser ohne.
    „Wer keine Flossen benutzt, der darf nicht raus zum Schnorcheln. Den nehme ich nicht mit.“ Sicherheit hin oder her…wer seine Gäste und Schutzbefohlenen im offenen Meer mit Strömung zum Schnorcheln „aussetzt“, dann einfach zurück zum Boot abhaut und die Gruppe nicht mit dem Beiboot begleitet, um im Zweifelsfall eingreifen zu können, verletzt meiner Meinung nach seine Aufsichtspflicht.
    Während man(n) stolz darauf war, Flossen in allen möglichen Größen vorrätig zu haben, wurde meine Frage nach Schwimmwesten, im Fall der Fälle ja auch wichtig, in gewohnt selbstgefälliger Weise abgetan, dass diejenigen, die eine Schwimmweste nötig hätten, sowieso nicht schnorcheln dürften.

AAAAAAAAAHHHHHHHH – das ist mein Urlaub! Ich will mich entspannen und nicht bevormundet werden. Ach, ich könnte noch sooooo viel mehr aufzählen…Aber lieber Leser, es war nicht alles schlimm ;-)!

Verpflegung an Board – Top! Segeltauglichkeit – Flop!

Wir hatten eine gute Zeit an Board! Wir wurden top und ausreichend verpflegt. Deutsche Küche, frz. Brot, Marmelade und Schoki, Langosten, echter Gouda und Schinken, Hanuta und richtig guter Kaffee.

Und das Wichtigste – wir wurden sicher und fachmännisch durch das doch zum Teil raue karibische Meer geschippert. Leider muss ich gestehen, dass ich die Segeltauglichkeit nicht bestanden habe. Sobald wir raus aufs offene Meer segelten ging es für mich nach wenigen Minuten unter Board in die Horizontale…anders hätte ich die extremen Höhenunterschiede durch das Schwanken nicht überstanden :-/…ja, ja…Hochmut kommt vor den Fall ;-).

Nach den ersten 36h durschsegeln, die ich in meiner Koje verbrachte, setzte der Motor zum „einparken“ und ankern ein…ENDLICH konnte ich raus und frische Luft schnappen…und traute meinen Augen nicht. Vor mir lagen 2,3…nein, da hinten waren noch zwei und links davon, weit weg sah ich noch eine kleine Insel mit Palmen…aus dem blauen Nichts heraus lag plötzlich das sprichwörtliche Paradies.

Und täglich grüßt das Murmeltier

San Blas besteht aus gut 350 Inseln, also für fast jeden Tag eine Insel 🙂 Die nächsten 3 Tage sah unser Alltag wie folgt aus: aufstehen, frühstücken, Fahrt zur nächsten Inselgruppe, schnorcheln/ chillen an Board/ planschen, Mittag essen, chillen an Board/ braun werden/ lesen, Landgang (im Übrigen war für jeden Tag genau eine Aktivität geplant(natürlich!)); entweder Frisbee spielen, Besuch der auf der Insel lebenden Kuna-Familie und am dritten Tag dann das Volleyball-Turnier, chillen an board, Abendessen….wie sagte Kapitän Ahab so schön „Same shit, another fucking island“.

Nun gut, ich hätte es wahrscheinlich etwas poetischer artikuliert – aber für drei Tage gab es nur uns, das Meer und Robinson Crusoe Inseln. Territorial gehört das Archipel zu Panama, wird aber von den dort lebenden ca. 25.000 Kuna selbst verwaltet.

San Blas in Bildern

Alternativen zur 5-Tages Segeltour

Nach dem ersten Tag unter Deck war ich mir nicht sicher, ob ich diese Tour bedingungslos weiterempfehlen oder noch einmal machen würde. Es ist durchaus möglich von Panama City aus mit Tagestouren die San Blas Inseln zu besuchen oder von dort aus auf eigene Faust auf die näher gelegen Inseln zu hüpfen.

Wer Segeltauglich ist und kein Problem mit null Privatsphäre und beengten Räumlichkeiten für einen absehbaren Zeitraum hat wird belohnt…mit dem Paradies. Ehrlicherweise würde ich jedoch die Tour auf einem anderen Boot machen, es sein denn man steht auf das oben beschriebene und noch viel mehr ;-).

Ankunft in Panama, Portobelo und Weiterfahrt nach Panama City

Als wir am letzten Morgen in Portobelo anlegen bin ich mal wieder mehr als erstaunt. So hatte ich mir Panama nicht vorgestellt…wir ankern in einer malerischen Hafenbucht die umgeben ist von einem satten Grün – fast schon Dschungel. Es gefällt mir ausgesprochen gut, vor allem auch die bunten Häuschen in dem kleinen Ort. Es fühlt sich karibisch an…und das ist gut. Wenn ich nicht als Europäerin geboren wäre, hätte ich gern Latina werden wollen. Man ist das ein Lebensgefühl!

Übernachtet haben wir sehr einfach und günstig im Hostel El Castillo.

Die Busfahrt nach Panama City, mit einmal umsteigen in gut 3h zu erreichen, ist wahrscheinlich die Halsbrecherischste, an die ich mich in den letzten Monaten erinnern kann. Und dann die nächste Überraschung…

Panama City gefällt mir ausgesprochen gut. Karibisches Klima, tolle Altstadt, atemberaubende Skyline und aus jeder Straße, jedem Haus, jeder Ecke schlägt mir das lateinamerikanische Lebensgefühl entgegen. Endlich ist sie wieder da…meine unbändige Reiselust und ich fühle mich hin- und hergerissen zwischen der Freude auf zu Hause und der  Traurigkeit, dass in knapp 2 Monaten mein großes Abenteuer vorbei ist. Heimweh und Fernweh liegen so nah beieinander!

Und noch ein anderer Gedanke beschäftigt mich seit Tagen. Was und vor allem wo wäre ich, wenn ich diese Reise schon viele Jahre früher gemacht hätte? Ich liebe mein Leben und mein zu Hause und alles was ich mir aufgebaut habe…und dennoch habe ich das Gefühl auch hierhin zu gehören.

Panamakanal – lohnt es sich?

Heute war wieder Touristen-Sightseeing angesagt…wenn ich schon mal hier bin, dann muss ich mir auch den Panamakanal anschauen. Meine Erwartungen hielten sich in Grenzen und wie schon so oft wurde ich angenehm überrascht.

Ich hatte das Glück in die „Rush-Hour“ zu kommen und so sah ich wie sich gleich drei Schiffe durch die Miraflores Schleuse zwängten. Es gibt insgesamt drei Schleusen: eine auf der Atlantikseite, eine kurz vor Panama-City und die Miraflores-Schleuse, die Letzte, die die Schiffe vor dem Auslaufen in den Pazifik passieren müssen.

Keine langweiligen technischen Details an dieser Stelle, nur ein paar Fakten – versprochen :-).

  • 82 km lang, führt der Kanal mitten durch den Dschungel von Panama – das muss eine Klasse Durchfahrt sein.
  • 1914 eröffnet und bis zum 31.12.1999 unter amerikanischer Leitung war der Kanal ökonomisch auf den Break Even ausgerichtet. Klar, wenn über 60% der zu passierenden Schiffe aus den USA kommt macht das Sinn-sehr schlau gemacht.
  • Am 1.1.2000 wurde der Kanal unter panamaeische Leitung gestellt und ökonomisch umgestellt. Jetzt erwirtschaftet der Kanal Profite die für das Land und die Weiterentwicklung enorm wichtig sind.
  • Bis zu 800.000$ kann die Durchfahrt schon mal kosten, abhängig von der Größe des Schiffes und dem Wert der transportierten Waren.
  • niedrigste Passage: 0,36$ zahlte 1928 der US-Amerikaner Richard Halliburto – er durchschwamm den Kanal.
  • Durchfahrt pro Schiff dauert 8-10 Stunden.
  • Die durch den Panamakanal jährlich transportierte Warenmenge entspricht etwa fünf Prozent des weltweiten Seefrachtverkehrs.
  • Der Kanal generiert fast acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts von Panama (Stand 2013). Danke Wikipedia 😉

Mittlerweile wurde der Kanal erweitert, da der Alte zu klein wurde für die heutigen Schiffe. Der zweite Kanal ist bereits seit Juni 2016, nach knapp 10 Jahren Bauzeit, in Betrieb ist…daher konnte ich auch drei Schiffe gleichzeitig passieren sehen.

Morgen gehts weiter – in den Norden, an die Karibikküste und an den Strand. Was sonst :-).

Panamafotoalbum

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1 Kommentar

  • Antworten Dennis Müller 22. Februar 2017 at 21:06

    Oh, wie schön ist Panama 🙂

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