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Reisebibliothek: Sungs Laden von Karin Kalisa

27. Juli 2016

Meine Bewertung: 5 Sterne

Endlich ein Buch welches ich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte…und leider viiiieeeeel zu kurz.

51q6ovipkrlWorum geht’s?
Ein Ausflug in die gar nicht so lang zurückliegende Zeit der DDR und ihrer vietnamesischen Gastarbeiter bis zu den Auswirkungen kurz nach der Wende. Sung ist der Sohn eines vietnamesischen Gastarbeiterpaares, welches sich im Osten von Berlin, durch glückliche Fügungen des Schicksals, eine kleine, bescheidene, aber glückliche Existenz in Form eines, wie wir es heute nennen würden, Spätis aufgebaut haben. Aber Sung ist bei weitem nicht die Hauptperson dieses leichten, mit ganz viel Wärme, Harmonie und einer ordentlichen Portion Naivität erzählten Romans. Sungs Familie ist Dreh- und Angelpunkt dieser (leider) fantastischen Geschichte. Von der Flucht seiner Eltern vor den Zuständen in Vietnam, von den Unwägbarkeiten der Geburt seiner großen Schwester, die er nicht kennt, denn in der DDR war es nicht erwünscht, dass vietnamesische Gastarbeiter dort Familien gründeten, wie er selber, mehr Deutscher als Vietnamese, eigentlich Archäologie studieren wollte und dann aber im Laden seiner Eltern landet. Doch die vielen Nebendarsteller machen diesen Roman so lesenswert und berührend. Eine alt 68 Hebamme, eine junge Lehrerin, noch voll Enthusiasmus und Tatendrang, behäbige Parkraumwächter und Beamte, ein gutsituierter Zahnarzt… und natürlich die vietnamesischen Akteure, ein alter Wasserpuppen-Bauer, der obwohl schon seit Jahrzehnten in Deutschland kaum Deutsch spricht und ein armes bescheidenes Leben in einer viel zu kleinen Werkstatt führt, der Zigarettenverkäufer, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde und nicht mehr an ein lebenswertes Leben glaubt, Sungs Mutter, eine bezaubernde ältere Dame, die erst im späten Alter mit den traurigen Erlebnissen aus ihrer Jugend reinen Tisch macht und wieder voll erblüht oder der vietnamesische Kioskbesitzer – hier verstricken sich die Lebensläufe der verschiedensten Personen zu einer wundervollen Geschichte, um das Zusammenleben von Vietnamesen und Deutschen in der Metropole Berlin. Ach, wenn es doch nur wirklich so einfach wäre!

Was ist das Besondere an dem Buch?
Alles fügt sich zum Guten und besonders in den aktuellen Zeiten tut es besonders gut, mal aus der unschönen Realität rausgezogen zu werden und wenigstens für ein paar Stunden an das Gute im Menschen zu glauben. Ein leichter Roman, der einfach pures Lesevergnügen bietet.

Würde ich das Buch weiterempfehlen?
Auf jeden Fall! Da ich ja nun selber auch schon in dem Land war, bescherte mir die Lektüre viele schöne Erinnerungsmomente. Ausserdem hat es mir selber einen kleinen Einblick in einen Teil der Geschichte meines Geburtslandes gegeben, von dem ich leider bisher so gar nichts wusste und viel zu selten thematisiert wird.

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