Allgemein, Deutschland

Schwarzwald – Malerische 5-Flüsse Tour

15. April 2018

Die Ostertage verbrachte ich in Göppingen, knapp 40km von Stuttgart entfernt, bei der Familie meines Freundes. Und da ja der Fokus in diesem Jahr auf Reisen in der Heimat liegt, lag es auf der Hand, dass wir noch ein paar Tage dranhingen und den Schwarzwald besuchten.

Tagesausflüge von Göppingen aus

Über Ostern unternahmen wir Tagesausflüge nach Ulm (Donau) und Tübingen (Neckar). Und einen kleinen Osterspaziergang auf dem Landesgartenschau-Gelände (2009) in Rechberghausen.

Roadtrip durch den Schwarzwald

Wir hatten leider „nur“ 5 Tage Zeit und so musste ich mich für ein paar Highlights und Orte entscheiden. Hier nun also die Eindrücke von unserem kleinen Roadtrip:

Burg Hohenzollern

Im Land der Burgen und Schlösser ist es natürlich ein Muss, mindestens eine Burg zu besuchen. Auf unserem Weg lag die malerische Burg Hohenzollern. Sie ist bis Heute der Stammsitz des preußischen Königshauses und der Fürsten von Hohenzollern. Das heißt auch heute noch ist ein kleiner Teil der Burg bewohnt, bzw. zu festlichen Anlässen wie Taufen oder Weihnachten kehren die Familien hier ein.

Stilecht, wie es sich für eine Burg gehört, ist diese schon von der Bundesstraße aus gut zu sehen. Es gibt zwei Parkplätze und von dem unteren führt ein kurzer, recht steiler Weg zu Parkplatzanlage 1. Hier kauft man die Tickets, die inkl. Führung aktuell bei 12€ p.P. liegen. Dann nochmal ein kurzes, auch wieder steiles Stück nach oben – diesmal Treppen. Zwischendurch werden die Atempausen von dem jetzt schon grandiosen Ausblick versüßt. Übrigens kann man auch schon mit einem Shuttlebus ab Parkanlage 2 bis zur Burg hochfahren. Das kostet allerdings extra.

Oben angekommen empfängt ein nicht nur ein kolossaler 360°Grad Blick, sondern auch eine super in Schuss gehaltene Burganlage sowie ein Restaurant/ Café in der Burg und ein Biergarten im Hof. Meiner Meinung nach kann man sich die Führung sparen. Sie geht knappe 45 Minuten und führt leider nur durch wenige Räume. Die Inhalte und Geschichten die erzählt werden, können auch in Prospekten oder auf Wikipedia nachgelesen werden. Fotografieren ist nicht gestattet. Wer die Führung dennoch machen möchte sollte sich unbedingt eine Jacke mitnehmen – es ist verdammt kalt in den Burgräumen.

Meine Empfehlung: Blick und Umgebung genießen, die Burg in Ihrem Ganzen bestaunen und sich am Ende mit Kaffee, Kuchen oder einem Bier im Garten belohnen.

Kinzigtal – Da wo sich Herr Fuchs und Frau Elster Gute-Nacht sagen

Tipp: Junghans Uhrenfabrik in Schramberg

Die ersten 2 Nächte verbringen wir in Lauterbach. Ich habe bewusst bei der Planung darauf geachtet, dass wir nicht „zu viel Strecke“ machen, sondern viel von der Natur und Umwelt sehen können. Auf unserem Weg nach Lauterbach fahren wir durch Schramberg. Hier ist der Sitz der weltberühmten und vor allem qualitativ hochwertigen Junghans Uhrenfabrik. Das Fabrikgebäude ist schon beeindruckend und ich hätte gern gehalten um ein Foto oder noch besser eine Werksbesichtigung zu machen. Leider hatte ich das gar nicht auf dem Schirm und so blieb es nur beim Blick aus dem Auto. Beim nächsten Mal dann.

Wo der deutsche Mittelstand zu Hause ist

Mir war überhaupt nicht bewusst, dass im Schwarzwald so viel Industrie und Produktion angesiedelt ist. Auf unserem Trip sind wir noch an den Produktionsstätten von Duravit und Hans Grohe, der Gerberei Trautwein und natürlich vielen Holzverarbeitern vorbeigekommen. Wen das interessiert, der sollte hier unbedingt ein paar Zwischenstopps einplanen.

Wandern oder einfach nur Spazieren gehen

Von unserer Unterkunft in Lauterbach, dem Fehrenbacher Naturgasthof, führen mehrere Wanderwege durch den dortigen Schwarzwald. Mehr oder weniger durch Zufall hatten wir einen Mix aus Spaziergang mit Blick ins Tal und, dank Google Maps, querfeldein durch den dichten Tannenwald. Es ist schon magisch – das satte Grün, die Lichtstrahlen, die märchenhaft durch die dicht neben einander stehenden Tannen durchfallen und wenn man Glück hat, natürlich der Himmel, der in einem satten Blau über einem schwebt. Und ganz besonders wird es, wenn einem die Hofkatze die kompletten 2h bei dem Spaziergang folgt. 🙂

Im Übrigen findet man gut beschilderte Wanderwege an jedem Parkplatz und jedem Gasthof entlang der Schwarzwald-Hochstraße.

Triberg – höher, besser & größer

And here we go – Tourismus as it’s best! Haben mir in Lauterbach noch die Touristen gefehlt, hier sind sie. Triberg (Gutach) ist ein kleines Städtchen mit gut 5.000 Einwohnern. Was es so besonders macht? Drei Dinge:

  1. Die beste Schwarzwälder Kirschtorte

    Angeblich gibt es im Café Schäfer die beste Schwarzwälder Kirschtorte. Leider konnte ich mich davon nicht persönlich überzeugen, denn Mittwoch ist im Café Ruhetag.

  2. Die größte Kuckucksuhr der Welt

    Gleich mehrere „größte“ Kuckucksuhren sind hier zu bestaunen. Auch leider muss ich Euch wieder enttäuschen. Aufgrund einsetzenden Regens hatte ich keine Gelegenheit auch nur eine davon zu besichtigen.

  3. Der höchste Wasserfall Deutschlands

Jetzt aber! Vor dem Regen hatten wir noch die Chance, uns, die mit 163m Fallhöhe, höchsten Wasserfälle Deutschlands anzusehen. Nun gut, als Weltenbummler mag der Eine oder Andere schon andere Dimensionen gesehen haben ;-). Über einen bequemen oder etwas steileren Weg kommt schließlich an den höchsten Punkt und wird mit einem schönen Panoramablick auf Triberg belohnt.

Tipp: Nicht den selben Weg wieder runtergehen. Orientiert Euch Richtung Bergsee und Hochseilgarten und man kommt in gut 30 Minuten mit einem schönen Spaziergang wieder im Zentrum Tribergs raus.

Schiltach – von Flößern und Gerbern

Auf Empfehlung unserer Gastwirtin machen wir noch einen kleinen Abstecher nach Schiltach (Kinzig). Der Tag verspricht viele Wolken und Regen, so dass wir uns entschließen, dem kostenlosen Schüttsägemuseum einen Besuch abzustatten. Und dieser hat sich wirklich gelohnt.

Wir sind, mal wieder, die Einzigen in dem kleinen Museum und erhalten einen detaillierten Einblick in die Kunst der Flößerei. Jährlich, im August, wird die Tradition der Kinzigflößerei in Schiltach beim Flößerfest noch einmal wiederbelebt. Wer vor Ort ist, sollte sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen.

Im zweiten Gebäude des Museums erfährt man dann einiges über die Arbeit der Gerber, hier ist auch noch die einzige Gerberei Deutschlands ansässig, die Gerberei Trautwein. Und natürlich wie die dicken und großen Tannen, damals und heute gefällt wurden, um dann am Ende über Kinzig und Rhein in Holland zu landen. Amsterdam steht sozusagen auf Schwarzwaldtannen.

Und als ob das nicht schon reichen würde, trumpft Schiltach auch noch mit einer wunderbaren, super erhaltenen alten Stadtkern auf. Also unbedingt vorbeischauen!

Gengenbach – zwiegespaltene Gefühle

Ja, Gengenbach – schwierig. Gengenbach und wir hatten keinen guten Start. Wenn ich schon im Weinland Baden-Württemberg unterwegs bin, wollte ich natürlich auch ein Weingut besichtigen, bzw. mir  bei einer Weinprobe ein paar gute Tropfen aussuchen. Also fuhren wir zur Weinmanufaktur Gengenbach. Unser Navi führte uns direkt zum Produktionsstandort, welcher sehr modern ist. Also nichts von Hang und alten Gemäuern. Im Verkaufsraum erwartet uns erstmal niemand, bis aus einem der Büros eine lustlos wirkende Angestellte herauskam und nach unserem Begehr fragte. Nun gut, noch größer hätte das Schild auf meiner Stirn „Ich möchte hier gern Geld ausgeben!“ nicht sein können – Sie hat es anscheinend nicht gesehen!

Weinmanufaktur Gengenbach – nie wieder

Da ich leider keine Ahnung von Wein habe, also ich weiß, dass mir Grauer Burgunder schmeckt, half mir weder das „Dann schauen sie sich einfach um, und sagen mir dann welchen Wein sie probieren möchten!“ noch ein „Das ist total abhängig vom persönlichen Geschmack!“ weiter. Ich beschloß dem Elend ein Ende zu setzen und die Verkäuferin (oder was auch immer) von ihrem und unserem Elend zu erlösen. Mit 8 Flaschen Grauem Burgunder haben wir die Weinmanufaktur verlassen.

Mein Tipp: ein paar Kilometer weiter nach Durbach fahren. Dort gibt es ebenfalls einige Weingüter.

Ruhetag oder Essen erst ab 17 Uhr

Man mag es kaum glauben, aber dieses Erlebnis hat uns den Aufenthalt in Gengenbach echt vermiest. Und dass auch hier einhellig entweder Ruhetag in den Lokalen herrschte oder diese erst um 17 Uhr wieder öffneten. Wir waren gegen 14 Uhr da und hatten mächtig Kohldampf. Letztendlich konnten wir unseren Hunger im Schatull stillen, aber versöhnt hat uns das mit der Stadt nicht wirklich.

Naturpark Schwarzwald

Dann ging es endlich auf die berühmte Schwarzwald-Hochstraße. Meter für Meter schraubte sich unser Jeep die engen Straßen und Haarnadelkurven nach oben, bis wir dann endlich auf knapp 1.030m Höhe am Mummelsee ankamen. Puh, es war richtig kalt hier oben, bestimmt 10° Grad Temperaturunterschied und…es lag ordentlich Schnee. Der See war mit einer dicken Eis- und Schneeschicht bedeckt.

Mummelsee

Früh morgens gegen 8 Uhr spaziere ich den kurzen Pfad (800m) um den Mummelsee und habe ihn ganz für mich allein. Das ist einer der Vorteile wenn man direkt im wundervollen Berghotel am Mummelsee gastiert. Ein weiterer ist das grandiose, keine Wünsche offen lassende Frühstücksbuffet und der herrliche Wellnessbereich.

Ausserdem kann man auch von hier aus wieder wundervolle Spaziergänge und Wanderungen unternehmen. Unsere Wanderung führte uns an die Spitze. Knapp 120m weiter oben erwartet uns ein grandioser Ausblick auf der Hornisgrinde und viel Schnee. Leider können wir den ca. 7,5km langen Rundweg nicht machen, da die kleinen Wanderwege noch ziemlich vereist und kaum zugänglich sind. Nach einer kleinen Rutschpartie auf der Straße suchen wir uns einen sicheren Waldweg zurück zum Hotel.

Lotharpfad

Die Wanderlust ist aber noch nicht gestillt und so fahren wir noch ca. 16km zum Lotharpfad. Der Pfad ist benannt nach dem 1999 wütenden Orkan Lothar. Auf dem kurzen (800m) Erkundungs- und Lehrpfad kann man sehen, wie sich der Wald nach dem Orkan, ohne menschliches Zutun, erholt.

Talsperre Schwarzenbach

Wieder durch einen glücklichen Zufall machen wir auf dem Weg nach Baden-Baden noch einen kleinen Abstecher an die Schwarzenbacher Talsperre. Der See ist über 2km lang und speichert 14,4 Mio Kubikmeter Wasser. Beeindruckend!

Baden-Baden – der krönende Abschluss

Auf dem Rückweg nach Göppingen machen wir noch einen kurzen 2-3-stündigen Stop in Baden-Baden. Wir bemerken fast gar nicht, dass wir schon in der Stadt sind – so fließend ist der Übergang von Natur ins Stadtleben. Neben den beeindruckenden Bauwerken in der Altstadt, der Trinkhalle, Theater und natürlich dem berühmten Kurhaus mit der Spielbank, fasziniert mich besonders die Lichtentaler Allee. Entlang der Oos, windet sich eine wunderschöne Gartenanlage auf der einen Seite und beeindruckende und nach viel Geld riechende Gebäude wie das Atlantic Parkhotel, Die Residenz der Familie Burda und das Brenners Park-& Spa-Hotel. Bis wir da einkehren können, müssen noch ein paar Blogartikel geschrieben werden ;-).

Nach einem leckeren Eis und noch ein paar Metern in der Innenstadt führt uns unser Weg zurück zum Auto und auf die Heimreise nach Göppingen.

Schwarzwald kulinarisch

Selbstverständlich gab es auf unserer Tour nur regionale Küche. Neben Kässpätzle, Wurschtsalat und Maultaschen hat es mir vor allem der Schwarzwälder Schinken angetan. Schwarzwälder Kirschtorte ist nicht ganz mein Fall. Und besonders gut bei einer anrückenden Erkältung sind Flädlesuppe und Gaisburger Marsch, ein Eintopf bestehend aus Spätzle (was sonst), Rindfleisch und ganz viel Gemüse.

Das beste Essen auf unser Tour haben wir im Berghotel Mummelsee bekommen. Viele verschiedene Wurschtsalat -Varianten gibt es in der Mühlenstube in Lauterbach.

Ich hätte noch gut 1 Woche länger blieben können. Wieder ist mir bewusst geworden wie schön meine Heimat ist und was man auch hier alles erleben kann. Ich freue mich schon jetzt auf die kommenden Monate und die weiteren Trips, die bereits in Planung sind.

Wenn ihr noch Tipps und Empfehlungen habt, dann immer her damit!

Unsere Route

400 km durch den Nord-Schwarzwald

 

 

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