Allgemein, Ecuador

360 Grad Quito

19. Dezember 2016

Auf der Panamericana Richtung Quito

Weiter entlang der Panamericana, Richtung Norden, Richtung Quito. Zwischen der ecuadorianischen Hauptstadt und mir gab es nur noch ein Hindernis zu überwinden – den Cotopaxi Nationalpark, mit vielen Vulkanen und Bergen und damit wunderschönen und vor allem anstrengenden Wanderrouten. Mit dem Blick Richtung 3 Wochen Strand und Meer buchte ich den Cotopaxi-Package Deal (3D/2N) im gut 1 Stunde von Quito, mitten im Nationalpark gelegenen, Secret Garden Hostal. Auf der holprigen Fahrt zum Hostal verlor ich irgendwann das Internet und habe es auch erst 3 Tage später auf dem Rückweg wiedergefunden.

Das Hostal ist supersüß, sehr familiär und bietet einen spektakulären Ausblick auf den Cotopaxi und alles drum herum. Die Mitarbeiter, ein bunter Mix aus Freiwilligen und Ecuadorianern, sind, und das sage ich jetzt ohne zu übertreiben oder Ironie, wirklich awesome. Habe ich gegen dieses Wort, aufgrund seiner inflatorischen Nutzung während meiner Reisezeit, eine regelrechte Aversion aufgebaut – beschreibt es trotzdem leider genau das richtige Gefühl. Gegessen wurde immer zusammen an einer großen runden Tafel, gegen Nachmittag der Kamin angezündet und zum Hostal gehörten noch 5 Hunde – ein Dalmatiner, zwei Dackel und zwei super, duper süße Beagle Babies – ich sag Euch, da sind alle Herzen dahingeschmolzen.

Ein kleines Stück Vietnam in Ecuador

Dass mich in Ecuador der Regen wieder eingeholt hat habe ich schon erwähnt, oder? Mit uns kam auch der Regen im Secret Garden an. Also nix wie rein in die gute Stube, am Kamin aufwärmen, Glühwein schlürfen und hoffen, dass sich der Regen bis zu unserer ersten Wanderung zum Wasserfall wieder verzieht. Und während wir uns alle schon in Gummistiefel schmissen und die mehr oder weniger professionelle Regenkleidung überzogen (mit meinem vietnamesischen Regenponcho in weiß mit pinken Punkten gewann ich definitiv den Auffälligkeitspreis, ansonsten hat er diesen Aufenthalt leider nicht überlebt und musste zurückgelassen werden) hörte es tatsächlich auf zu Regnen und wir stapften über die Weiden Richtung Wald – bergauf natürlich, is klar! Ich war erstaunt, wie viel Stabilität ich mit den Gummistiefel hatte und nach den ersten Matschpfützen und kleineren Kletteraktionen war ich froh, nicht meine Turnschuhe anzuhaben.

Nichts destotrotz setzte ich mich einmal komplett im Matsch auf den Hosenboden. Aber das tat der Stimmung keinen Abbruch und munter ging es weiter, immer von rechts nach links, über und durch den Fluß, wozu hatte ich denn sonst Gummistiefel an. An naßen Felswänden und -vorsprüngen kletterten und zogen wir uns hoch und standen nach einer knappen Stunde vor dem Wasserfall.

Nun gut, meinereiner hat wohl schon spektakulärere Wasserfälle gesehen, aber schließlich ist ja der Weg das Ziel. Der Rückweg führte uns auf eine Lichtung, von der wir einen beeindruckenden Blick über das Tal hatten. Zurück im Hostal, führte mich mein Weg direkt in den Jacuzzi…ja, richtig gehört. Es gibt dort tatsächlich einen Jacuzzi, natürlich ebenfalls mit Blick über das Tal. Boah, tat das heiße Wasser meinen Knochen gut ;-). Zum Abendessen muss ich nicht viel sagen – es gab Pizza und Tiramisu :-).

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Wanderung im Cotopaxi Nationalpark

Am zweiten Tag wanderten wir – und wir wanderten lange. Ursprünglich war die Tour zum Pasachoa mit 5h angegeben. Zugegeben, der erste Teil unserer Gruppe schaffte es vermutlich auch in dieser Zeit, aber meine Gruppe brauchte sage und schreibe 7h.

Es war echt ein Marsch durch die Hölle, oder durchs Paradies – je nach dem von welcher konditionellen Verfassung man ausgeht. Für diejenigen die es vielleicht noch nicht erahnen, es ging wieder nur bergauf – nein, das stimmt nicht ganz, ca. 30 Minuten konnten wir auf einem ebenen Pfad entlanglaufen, bevor es noch steiler zum Gipfel hinaufging.

Von weitem sahen wir die bunten Punkte der ersten Gruppe im Grün der Landschaft und ich war mir nicht sicher, ob ich diesen Aufstieg schaffen würde. Augen zu und durch – ganz langsam, einen Babyschritt nach dem anderen, immer wieder Atempausen (ja, ich weiß, dass soll man eigentlich nicht machen, aber Sch…auf die Theorie, hier ging es ums nackte, um mein, Überleben), zwischendurch mehr kletternd als laufend, immer wieder im Matsch versinkend und nach qualvollen 4h erreichte ich den Gipfel….und ich schwöre, dass war der letzte, der allerletzte Aufstieg in diesem Jahr!

Auf dem Gipfel ist alles gar nicht so schlimm

Natürlich war es fantastisch da oben. Zwischenzeitlich, wenn sich die Wolken nicht gerade davor schoben, hatten wir einen 360° Blick, inkl. Quito. Das Sandwich und der heiße Tee schmecken da oben natürlich wie eine 5 Sterne Menü und als Feli, unser Guide, dann auch noch eine Flasche Bier aus ihrem Rucksack zauberte waren alle Schmerzen und Flüche vergessen. Der Abstieg war ok, nicht so schlimm und steil wie im Cajas Nationalpark, aber leider erwischte uns jetzt der Regen und Hagel….wir regneten so richtig ein, was uns natürlich auch nicht schneller machte. Alle sind heil und glücklich in unserem Hobbit Haus angekommen und noch nie haben Reis und Bohnen soooooooo himmlisch geschmeckt.

Quito – Wie ein Lichtstrahl in dunkler Nacht

Am Nachmittag des nächsten Tages verstreute sich die Gruppe in alle Himmelsrichtungen – die meisten fuhren Richtung Süden, um nach einem kurzen Abstecher in Baños Weihnachten dann am Meer zu verbringen. Mein letztes Ziel nach knapp 4 Wochen in Ecuador war nun aber wirklich Quito. Und die Stadt zeigt sich von ihrer besten Seite.

Als wir einfuhren durchbrachen gerade vereinzelte Sonnenstrahlen die dicken, dunklen Wolken und ließen die Jungfrau Maria, die Schutzheilige Ecuadors, 45m hoch und die einzige Marienstatue mit Flügeln, in einem geradezu göttlichen Licht erstrahlen.

Willkommen in der zweithöchsten Hauptstadt der Welt

Die nächsten 4 Tage streifte ich durch die Straßen der Stadt oder ließ mich fahren – je nach dem wie ich gerade Lust und Kondition hatte. Quito ist die zweithöchste Hauptstadt der Welt – und nach La Paz, Titicacasee und der Salar de Uyuni dachte ich, dass ich mittlerweile eigentlich an die Höhe gewöhnt wäre. Aber das bergauf und bergab nötigte mir einiges ab. Während früh morgens immer die Sonne strahlt, ziehen ab Mittag dicke Wolken auf und ergießen sich dann spätestens am Nachmittag in einem heftigen Gewitter. Also frühmorgens das Sightseeingprogramm abgearbeitet:

Sehenswürdigkeiten in Quito

Tag 1 – ich schlendere durch die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhobene Altstadt. Nicht lange und ich werde zu einer langen Kaffee- und Lesepause gezwungen. Da der Regen so gar nicht aufhören will, entschließe ich mich frühzeitig in mein Hostal zu fahren und mich was Tatort & Co angeht auf den neuesten Stand zu bringen.

Quito mit dem Hop on Hop off Bus

Tag 2 – wieder strahlender Sonnenschein. Damit ich so viel wie möglich von der Stadt sehe entschließe ich mich mit dem Hop on-Hop off Bus zu fahren und erwische einen im Mariscal- Viertel. Mein erster großer Stop ist die Basilica, die aus der Altstadt herausragt. Ich will so hoch hinaus wie es geht…und werde mit einem 360° Blick auf Quito belohnt.

Nach einer Stunde geht es mit dem Bus durch die engen Gassen und Straßen der Altstadt zum El Panecillo (deutsch das Brötchen – ???), dem Hügel, auf dem die Jungfrau Maria über Quito und Ecuador wacht. Auch hier gibt es wieder Aussichten en masse.

Weiter gehts Richtung Norden ins Viertel La Carolina. Hier befindet sich eine riesen große Parkanlage mit Fußball-, Basketball-, Volleyballfeldern, Grünflächen, einem kleinen Teich, etc. der am Wochenende stark von den Einheimischen frequentiert wird. Und es gibt Einkaufszentren und unzählige Freßstände. Ich habe heute noch nicht wirklich gefrühstückt. Jetzt überkommt mich ein Riesenhunger….und mein Blick bleibt an einem TGI Fridays hängen…ahhh, Burger mit Pommes….großer Burger mit Pommes…ich habe echt riesen Hunger, es ist mittlerweile 14 Uhr und ich habe keine Kraft meinem Hunger und dem TGI Fridays zu widerstehen. Ca. 2h später bin ich mit meinem Menü 😉 (Cesar-Salad, Burger mit Pommes und Brownie mit Eiscreme) fertig und als ich auf die Straße trete regnet es heftigst. So ne Sch….

Durch die Nacht – zu Fuß oder lieber mit dem Taxi?

Also Plan B – Kino, der neue Star Wars ist ja grad rausgekommen…20 Minuten später sitze ich mit 3D-Brille aufm Kopf im Kino und freue mich auf den Film. Nach dem Film, den ich okayyyyyyy fand, ich hasse es wenn das Liebespaar am Ende stirbt und zugegeben, habe ich etwas gebraucht um in den Plot reinzukommen, überlege ich kurz: zurück zum Hostel laufen oder ein Taxi nehmen? Noch ist es nicht ganz dunkel, ich fange also an zu laufen. 50 Minuten sagt Google.

Es ist zwar ne große Straße, aber mittlerweile ist es wirklich dunkel und so richtig wohl und sicher fühle ich mich nicht. Sind auch nicht viele, eigentlich keine Leute zu Fuß unterwegs. Aber ein Taxi anhalten ist gar nicht so einfach…ich wechsle mehrmals die Straßenseite und erst nach 10 Minuten hält ein freies Taxi.

Der Fahrer ist jung, sehr jung, und ohne ein Wort meinerseits wird brav der Taxameter angestellt – das habe ich noch NIE erlebt. Leider weiß er nicht wo ich hin will, kann zum Teil auch an meiner Aussprache liegen, aber ich habe ja Google Maps 🙂 … Nachdem er mit meinem Handy in der Hand ein paarmal hilflos im Kreis gefahren ist übernehme ich wieder das Kommando (hahaha…ich weiß was viele von euch jetzt denken) und wir kommen dann doch noch an meinem zu Hause an. Es hat so heftig geregnet und gehagelt, dass es ins Badezimmer geregnet hat. Aber ich gebe das 8er-Dorm, in dem ich gaaaaaanz allein bin für nichts in der Welt auf. Da kann mich so eine kleine Pfütze im Bad nicht schrecken.

Mit der Teleferiqo auf über 4.000m

Tag 3 – ok, jetzt will mich wohl jemand verarschen – schon wieder strahlend blauer Himmel ?! Okay, dann mal ab in die Turnis und losgewetzt…man weiß ja nie wie lang es diesmal anhält ;-). Auch der heutige Tag steht wieder ganz im Zeichen von Aussichten – mit der Teleferiqo geht es von 3.000m auf knapp 4.000m. Eigentlich könnte man von hier aus noch weiterwandern, bergauf zum Vulkan Pinchincha, aber ich bin ja Gott sei Dank schon durch mit meinen Wanderungen für dieses Jahr ;-). Stattdessen mach ich es mir auf einer der Bänke da oben bequem, genieße die Aussicht auf die Stadt zu meinen Füßen und versinke für die nächsten 1-2h in meinem Buch.

Mit dem Sammeltaxi geht es wieder Richtung Stadt…Altstadt oder La Carolina? Ich weiß nicht recht. Das Wetter hält sich noch und lässt mich hoffen. Ich entscheide mich für ein Picknick und Leute beobachten im Park. Am späten Nachmittag kommt es dann, das Grollen des sich ankündigenden Gewitters. Diesmal schaffe ich es nach Hause bevor der Regen losprasselt und verkrümel mich mit Laptop, Chips und Bettdecke auf dem Hostelsofa.

Tja, und das war es dann auch schon wieder mit Ecuador. Heut Abend geht mein Flieger nach Bogota. Morgen treffe ich Bettina und wir fliegen gemeinsam auf die wunderschöne karibische Insel Providencia wo wir Weihnachten und Neujahr verbringen. In diesem Sinne wünsche ich Euch allen schöne und friedliche Weihnachten und kommt gut ins neue Jahr! <3

Das komplette Fotoalbum Ecuador gibt es hier.

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