Allgemein, Kolumbien

Providencia – Kolumbianische Insel des süßen Nichtstun

10. Januar 2017

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Weihnachten und Silvester am Ende der Welt

770 km von Kolumbien und nur 180 km von Nicaragua entfernt, inmitten des karibischen Ozeans befinden sich zwei Eilande – St. Andres und Providencia.

Mit nur 18 km Durchmesser und gerade einmal 5.000 Einwohner (mas o menos) haben wir, Bettina und ich, uns das beschauliche Providencia ausgesucht, um dort Weihnachten und den Jahreswechsel zu verbringen. 

Und so stieg ich am 20.12. in Bogota in den Flieger, traf mich in St. Andres mit Bettina. Vo da flogen wir gemeinsam in einer kleinen Flugnußschale in weniger als 30 Minuten nach Providencia. Laut Lonely Planet ist Dezember und Januar die BESTE Reisezeit für dieses karibische Paradies. Und so wurden wir beim Anflug schon von türkisklarem Wasser begrüßt … und einem kräftigen Regenschauer – aha, beste Reisezeit also. Aber so ein kleiner tropischer Regenguss kann unsere Travellerherzen nicht trüben – erwarten uns doch 3 bzw. 4 Wochen pure karibische Sonne.

Wir freuten uns wie Bolle auf unser Air B’nB Hexenhäuschen img_8131mit eigener Outdoorküche, was bedeutet, dass wir im hiesigen Supermarkt erstmal Großeinkauf machen wollten.

Netterweise hatte Clemencia, unsere Vermieterin, den Taxifahrer entsprechend instruiert. Wir waren nicht sicher was für ein Supermarkt uns erwarten würde. Ich träumte von einem gut (mit europäischen Köstlichkeiten) sortierten Supermarkt, Bettina versuchte mich vorsichtig schon mal darauf einzustellen, dass wir wohl mit einem Tante Emma Laden rechnen sollten, der eher auf die Befriedigung des Notdürftigsten ausgerichtet war.

In Santa Isabel, Downtown, begrüßten uns dann Reggaeklänge, wuselnde Einheimische, die langsam untergehende Sonne, natürlich tropische Temperaturen, falls ich das noch nicht erwähnt haben sollte, und ein Supermarkt der KEINE unserer Wünsche offen ließ. 🙂 Wir stürzten uns ins Getümmel und Rum, Cola, Limetten, Nudeln, Tomaten, Müsli, Milch, Eier, Chips und Schoki wanderten in unseren Warenkorb. Lediglich Wasser war ein Problem – und wie sich herausstellte ein Problem für die ganze Insel.

Es gab nämlich gerade keines. Wir hätten uns jetzt 24 0,5l Flaschen einpacken lassen können, aber das konnten und wollten wir mit unserem guten deutschen ökologischen Gewissen nicht vereinbaren Also bin ich zurück in den Getränkemarkt und habe den netten Verkäufer bekniet, ob nicht doch noch irgendwo ein 5l Fässchen Wasser oder mehr aufzutreiben war. Beseelt von dem ganzen karibischen Feeling habe ich meinen kompletten Charme eingesetzt und nachdem noch einmal kurz nachgerechnet wurde, konnten wir einen 18,5l Wasserkanister abstauben! Bettina staunte nicht schlecht, als ich mit dem Wasserträger im Gefolge, stolz wie Bolle, zum Taxi zurückkam. Nun konnten wir einziehen.

Später erzählte uns Clemencia, dass sie während unserer Einkaufstour via unserem Taxifahrer mit uns reden wollte, und er ganz verzweifelt meinte, er wüsste nicht wo wir wären, wir wären schon 1 Stunde im Supermarkt verschollen. Männer!!!

Während ich an unserem ersten Abend für das leibliche Wohl verantwortlich war, sorgte Bettina dafür, dass die Gläser mit Rum Cola nie leer blieben. Schnatternd und selig konnte uns an diesem Abend nichts und niemand von unserer Terrasse mit Meerblick weglocken, gab es doch soooooooo viel zu erzählen.

Strandtag 1 – Fresh Water Bay

Unseren ersten Tag ließen wir gemütlich angehen – spätes Frühstück, Hängematte ausprobieren, frühes Mittagessen und dann ab an den Strand. Frohen Mutes begaben wir uns zu Fuß auf den Weg dorthin. Aus dem angegeben 1 km wurden dann 2, und wir erreichten Aqua Dulce oder Freshwater Bay. Ehrlich gesagt hat uns der Strand jetzt nicht vom Hocker gerissen. Der Sand war dunkel, das Wasser nicht klar und hin und wieder tröpfelte es vom bedeckten Himmel. Nun gut, es gibt also noch Potenzial nach oben.

Providencia ist keine Abenteuerinsel – viel mehr als Strand und ein entspanntes, chilliges Abhängen ist nicht drin. Aber für Bettina, für die das nun die letzte Station nach ihrer 14 monatiger Reise ist und für mich, die gerade an Reiseunlust leidet, ist das der perfekte Ort. Zugegeben habe ich etwas Angst: 3 Wochen NUR Strand…also trug ich mich mit dem Gedanken noch den Tauchschein zu machen. Aber eins nach dem anderen.

Strandtag 2 – Manzanillo Beach

Tag 2 also wieder Strand…der Himmel stand jetzt nicht unbedingt auf strahlend schön, immer wieder schoben sich dunkle dicke Wolken vor die Sonne. Heut wollen wir Manzanillo Beach erkunden, wo sich die sagenumwobene Roland’s Bar befindet. Da dieser Strand doch ziemlich weit weg ist hielten wir nach 2 km ein Motortaxi an, welches uns beide mitnahm. Zu dritt auf der alten Honda, bergauf, bergab. Betti klammerte sich an mich, um nicht nach hinten zu fallen, ich klammerte mich abwechselnd an den Fahrer und an Betti, um sie daran zu hindern nach hinten zu fallen.

Angekommen, lebend und in einem Stück, erwartete uns ein echter paradiesischer Karibikstrand….und SANDFLIEGEN! Ja genau, diese bissigen Dinger, die mir schon auf den Philippinen das Strandvergnügen versaut hatten. Mutig ertrugen wir die lästigen Viecher, allerdings beschlich mich der unerträgliche Gedanke, dass das jetzt die ganzen drei Wochen so gehen sollte? Na Prost Mahlzeit! Nach ein, zwei Regenhuschen ertrugen wir es nicht länger und gesellten uns zu den 3-4 Einheimischen, die der Reggaemusik im Rolands lauschten. Gegen 18 Uhr waren nur noch wir da…ah ok…vielleicht noch ein bisschen früh für eine rauschende Reggaenacht. Aber wir haben ja noch 3 Wochen. Jetzt erstmal nach Hause und die Stiche, zu denen nun auch Mückenstiche hinzukamen, versorgen.

Strandtag 3 – Southwest Bay

Dritter Tag, dritter Versuch, dritter Strand – Southwest Bay. Hier war schon etwas mehr Leben – aber von der viel beschriebenen High Season, die auch die unverschämt hohen Übernachtungskosten rechtfertigen sollte, kann nicht wirklich gesprochen werden.

Wir hatten gerade unsere Decken ausgebreitet, eine ordentliche Schicht Sonnencreme aufgetragen, als es plötzlich, aus heiterem Himmel anfing wie aus Eimern zu schütten….wieder nur kurz, dann wieder Sonnenschein und dann wieder ein heftiger Regenguss. So langsam fing ich an, an unserem Paradies und dem dreiwöchigen karibischen Exil zu zweifeln. Und ich sehnte mich ein klein wenig nach der weihnachtlichen Gemütlichkeit von zu Hause.

Unser Highlight an diesem Tag war die Zubereitung eines guten deutschen Kartoffelsalates 🙂 Es sind ja die kleinen Dinge im Leben die glücklich machen! Und dann kam es gaaaaaanz dicke.

Weihnachten – wenn die Heimat plötzlich wie das Paradies erscheint

Heiligabend – wir machen die Augen auf und um uns herum versinkt die Welt. Es regnete, und regnete, und regnete…und es hörte nicht mehr auf. Der kleine ausgetrocknete Bach zu unserer linken Seite war über Nacht zu einem reissenden Fluß angeschwollen, so dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte. Unsere Schnorcheltour sagten wir ab und verbrachten den Tag auf unserer Terrasse, lesend, Musik hörend und immer wieder Kartoffelsalat naschend.

1. Weihnachtsfeiertag – es regnet immer noch. Die vielen lieben und beneidenden Weihnachtsgrüße aus der Heimat waren schwer zu ertragen – Gott sei Dank musste ich da aber nicht allein durch. Wir hielten uns wacker und wagten uns am Nachmittag, in einer Regenpause, raus zu einem Spaziergang nach Downtown. In der Hoffnung ein kleines Kaffee zu finden oder irgendetwas anderes, was Ablenkung versprach. 4 km Fußmarsch – und dann war da nix. Die Stadt war tot, wie ausgestorben, also wieder zurück – und kein Taxi weit und breit. Die Stimmung war…nun wie soll ich sagen…kurz vorm kippen. Aber wir sind ja ein eingespieltes Team, vor allem und gerade wenn es um Regen geht…und es kann ja nicht immer regnen. Und so gingen wir mit gaaaaanz viel Optimismus ins Bett. Und wir wurden belohnt!

Seit dem 26.12. können und wollen wir uns gar nicht mehr beschweren. Regelmäßig weckt uns die Sonne, die langen Strandtage machen sich bezahlt und mittlerweile sehen wir eher wie Locals aus, als wie weißbrotige Europäer, die wir ja zugegebenermaßen schon seit ein paar Monaten nicht mehr sind ;-).

Und wir cruisen mit dem Scooter….

Seid ein paar Tagen sind wir auch mobil – mit dem Scooter düsen wir jetzt um die Insel und von Strand zu Strand. Boah, was für ein Freiheitsgefühl. Die Insel ist super bunt und ganz liebevoll von den Einheimischen gestaltet.

Bunte Häuser säumen die Straße, aus alten Reifen wurden künstlerisch Krabben, Vögel, Fische und vieles mehr gestaltet, jedes Strandschild und jede Bushaltestelle sind kreativ zu etwas besonderem gestaltet – da steht man dann plötzlich unter einem riesigen Mantarochen oder in den Fangarmen eines überdimensional großen Oktopusses.

Nicht zu vergessen das wöchentlich, am Strand stattfindende Pferderennen. Die Locals gewinnen unser Herz und wir Ihres. Es ist schon eine enorme Anstrengung nett zu bleiben, wenn man in ein Café kommt und anfänglich das Gefühl hat man ist weniger Gast als viel mehr Störer. Aber wir schaffen es, den wunderhübschen Chicas dann doch ein Lächeln abzugewinnen und mittlerweile werden wir mit ebendiesem herzlich begrüßt.

Unsere „Gastmuttis“ Clemenica und Hortencia, wir haben zwischendurch die Unterkunft wechseln müssen, sind jetzt aber wieder in unserem geliebten Hexenhäuschen, sind so herzlich und tun alles dafür, dass es uns gut geht. Hortencias Familie ist extra aus Ihrem Heim ausgezogen, damit wir dort leben konnten – weil wir ja laut Clemenica zwei super freundliche, ordentliche und herzliche Mädchen sind :-).

Nube, Mathilda und Frida Kahlo – die drei Hunde von Clemencia- begrüßen uns bereits zum Frühstück und erwarten uns schwanzwedelnd wenn wir von unseren langen und harten Strandtagen nach Hause kommen. Und natürlich haben wir auch unsere Hüften zu Reggae- und Salsamusik kreisen lassen ;-).

Tja, und wie soll es auch anders sein in der Karibik – fürs Herz war auch wieder was dabei. Allerdings diesmal begleitet von einer nicht endenwollenden Achterbahn der Gefühle ;-). Verdammt seien die neuen Wege der schnellen und dadurch oft missverständlichen Kommunikation via Whats App. 

Aktivitäten auf Providencia

Unser aufgeschobener Schnorchelausflug wurde ebenfalls nachgeholt – und alles war wieder dabei: Sonne, türkisfarbenes Meer und Hagel. Kurz vor Schluß habe ich mich dann doch noch zu einer weiteren sportlichen Aktivität aufraffen können. In der Hoffnung auf einen grandiosen Ausblick auf die Insel machte ich mich daran den sogenannten Peak zu erklimmen – lachhafte 300m Höhenunterschied, 2,5 km Weg. Das sollte doch zu schaffen sein!

Leider kam mir auch hier das Wetter in die Quere. Durch den immer wieder einsetzenden, wenn auch kurzen, Platzregen, war der Weg teilweise so stark aufgeweicht, dass ich selbst bei gerader Strecke des öfteren ins Straucheln geriet. Kurz vor dem Gipfel habe ich dann aufgegeben. Der Sonnenuntergang stand bevor und der Weg war nur noch eine einzige Matschgrube. Also begnügte ich mich damit, mehrere winzige Eidechsen aufgeschreckt zu haben und wunderschöne, noch nie gesehene blau/grüne Echsen. Das war es dann auch schon mit den außerstrandlichen Aktivitäten – den Tauchschein habe ich nicht gemacht.

Ich habe mich nicht einen Tag gelangweilt 😉 Was wohl vor allem an meiner bezaubernden Reisebegleitung liegt. Tja, und nun sind die drei Wochen fast schon um. In zwei Tagen heißt es für mich Tschüss Providencia und Auf Wiedersehen liebe Betti, in 3 Monaten, in unserem geliebten Berlin ;-)!

Was kommt jetzt noch für mich?

Das was ich nie gedacht hätte ist doch eingetreten. Ich bin reisemüde und ich sehne mich nach zu Hause. Gleichwohl weiß ich aber auch, dass ich spätestens nach zwei Tagen wieder ein entsetzliches Fernweh verspüren würde, so dass mich dieser Gedanke davon abhält schon jetzt meinen Rucksack zu packen. Im Januar werde ich mit Pia und Jörn das Festland Kolumbien erkunden. Und danach?! Ich weiß es nicht! Ich habe zwei Optionen: Entweder weiter Richtung Norden durch Zentralamerika oder weiter Richtung Süden nach Brasilien. Was denkt ihr? Wer Lust hat kann mir gerne Tipps, Infos und Ratschläge hinterlassen. Alles wird dankbar aufgenommen.

Danke Betti, danke Providencia für wundervolle, emotional anspruchsvolle und doch entspannende 3 Wochen – I will miss u!

Fotoalbum Providencia

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3 Kommentare

  • Antworten pauline456 21. November 2017 at 13:27

    Ihre Reise klingt wirklich wie ein Traum. Und die Bilder sind auch toll.
    Falls ihr villeicht ein Segelurlaub das nächste Mal versuchen wollt, auf https://sebastus.com/de könnt ihr die wichtigsten Informationen und tolle Tipps finden.

  • Antworten Ayla 10. Juli 2018 at 11:12

    Liebe Janine, ein toller Reisebericht!
    Ich habe eine Frage an dich: Habt ihr die „Flugnußschale :)“ von San Andres nach Providencia vor Ort gebucht? Aufgrund meines kurzen Aufenthaltes in Kolumbien würde ich gerne sicher gehen und von Deutschland aus buchen, doch übers Internet kann ich leider nur Flüge nach San Andres finden.
    Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen, und natürlich über weitere Reiseberichte von dir. 🙂

    • Antworten Janine 10. Juli 2018 at 19:16

      Liebe Ayla,
      vielen Dank für Deinen schönen Kommentar. Ich habe jetzt selber nochmal recherchiert, weil es ja doch schon ein paar Tage her ist :-). Die einzige Airline, die Providencia von San Andres aus anfliegt ist Satena. Es scheint allerdings so, dass momentan keine Flüge angeboten werden….weder auf der Satena Airline, noch auf Fluportalen werden mir Flüge angezeigt…..das ist wirklich komisch. Mein Tipp wäre, sich mal an ein Hotel in Providencia zu wenden und dort nachzufragen oder direkt bei Satena. Ich hatte damals meinen ersten Flug San Andres – Providencia aus Südamerika heraus gebucht. Und das zweite Mal direkt aus Kolumbien heraus, auch nur 2/3 Wochen vorher.
      Alternativ gibt es noch eine Fähre von San Andres nach Providencia. Die Verbindung scheint auch noch zu funktioniert: https://en.conocemosnavegando.com/Home

      Oh je, ich hoffe ihr kommt noch irgendwie nach Providencia – ich drück Euch jedenfalls fest die Daumen. Schreib mir gern, wenn es geklappt hat und wie. Und es tut mir furchtbar leid, dass ich Dir hier nicht weiterhelfen kann 🙁 Ganz liebe Grüße aus Berlin!

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