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Mumbai (Teil 2)- Sonntag ist Sport- und Familientag

4. April 2016

Weiter gehts in Mumbai

Die Hitze ist heute schlimm. Obwohl es „nur“ 32Grad sind ist es ungewöhnlich schwül. Und es ist ruhig…ach ja, es ist Sonntag. Die Straßen sind leerer als die letzten Tage, viele Geschäfte sind geschlossen. Im ersten Moment ist das für mich ungewöhnlich. Von Asien bin ich das überhaupt nicht gewöhnt, dass der Sonntag auch als der Sonntag, also als Ruhe- und Familientag gesehen wird. Beim zweiten drüber nachdenken finde ich das super, vor allem als ich dann merke wo die Menschen, nun gut, es sind die Männer, weit und breit ist wieder mal keine Frau zu sehen, ausser ich, alle sind.

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Sonntag in Indien

Zum Beispiel beim Cricket spielen auf dem Oval Maidan, einer Parkanlage. Es ist schon ein Schauspiel wie zig kleine und größere Grüppchen sich dort sportlich betätigen.

In der größten Mittagshitze wird der kleine Ball geworfen und ins Feld zurückgeschlagen. Meistens verliere ich den Ball aus den Augen, aber auf eine wunderliche Weise kommt er immer wieder zurück zu der entsprechenden Gruppe.

Soweit ich verstehe geht es darum, so oft wie möglich zwischen zwei DSC00231Markierungen hin und her zu laufen, bis der Ball gefangen wurde. Ich glaube das ist ähnlich wie beim Baseball?! Cricket ist ja der Nationalsport der Inder und es wird täglich und überall gespielt – auf Schulhöfen, Parks, Hinterhöfen, überall wo halt Platz ist und man einen Ball wegschlagen und fangen kann.

Unbedingt machen: Slumtour durch Dharavi

Für den Nachmittag habe ich eine Tour gebucht in den größten Slum Mumbais – den Dharavi-Slum. Ja, das ist der Slum aus dem Film „Slumdog Millionaire“, den ich leider immer noch nicht gesehen habe. Aber er steht jetzt ganz oben auf meiner Watch-List.

Wir treffen uns zentral im Bahnhof und fahren dann gemeinsam mit der S-Bahn 30 Minuten raus aus Mumbai. Nein falsch nicht aus Mumbai, sondern aus dem touristischen Zentrum. Bevor es losgeht wird die inzwischen sehr große Gruppe aufgeteilt.

IMG_5430Dharavi – über 1 Millionen Menschen leben und arbeiten in Mumbais größtem Slum. Gerade nochmal im Reiseführer nachgelesen…60% der Bevölkerung Mumbais, also über 13 Mio., leben in Slums. Vom Areal umfasst das Gebiet die Hälfte von New Yorks Central Park.

Alltag in einem Slum – Leben, Wohnen und Arbeiten

Dharavi teilt sich in Business und Residential, also Geschäfts- und Wohnbereich. In der Einführung erklärt unser Guide, der übrigens in diesem Slum geboren und aufgewachsen ist, mit Stolz, dass hier einer der größten Wirtschaftszweige Mumbais beheimatet ist – die Recycling-Industrie.

Weiterhin würde es über 1.000 kleinst und grössere Geschäfte geben und jeder würde einer Tätigkeit/ Aufgabe nachgehen. Für mich ist das ziemlich unlogisch – wenn in einer Gegend Geld verdient wird, die Menschen dort arbeiten und leben, muss es doch Wachstum und Weiterentwicklung geben, also über die Abdeckung der notwendigen Bedürfnisse, wie schlafen und Essen, hinaus?

Die Antwort auf meine Frage konnte ich nicht so ganz nachvollziehen, aber im Laufe der 2-stündigen Tour wurde mir dann etwas klarer. Zu erst einmal zahlen alle diese Geschäfte keine Steuern, also investiert der Staat auch nicht in eine entsprechende Infrastruktur. Entweder organisieren sich die Bewohner selbst oder es passiert nichts.

Mehr Handys und Fernseher als Toiletten

Ein schönes Beispiel dafür: es gibt im ganzen Slum mehr Handys und TV’s als es ausreichend Toiletten für alle gibt. Die Arbeiter sind natürlich auch nicht organisiert, d.h. es setzt sich kein Dritter für Ihre Belange ein. Und zum dritten sitzen diejenigen, die eigentlich das Geld verdienen wohl auch nicht mehr in den Slums, sondern in entsprechend besseren Gegenden. Nun gut – so ist das halt mit dem Kapitalismus.

Ein weiterer Punkt war noch sehr interessant. Während im sogenannten Geschäftsviertel die Menschen nicht nur arbeiten, sondern auch direkt leben, fahren die Menschen, die im Slum „nur“ wohnen  jeden Tag raus zu ihrem Job. Abgesehen davon, dass die Mieten in Mumbai extrem hoch sind, ist es bedeutend günstiger in anderen Slums zu leben.

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Plastik Recycling

Dharavi ist mittlerweile so etwas wie eine „Szene-Slum“ geworden- so blöd wie das klingt! Und selbst wenn es sich der eine oder andere leisten könnte oder wollte, die Menschen hängen an ihrer Heimat und bleiben lieber bei Ihren Familien.

Für mich war das echt eine Erkenntnis – bisher war „Slum“ gleichbedeutend mit Armut, Hoffnungslosigkeit, Dreck, Krankheiten und dem unbedingten Willen dem Ganzen zu entfliehen. Das ist dann wohl meine erste Lektion dieser Reise! Dharavi ist für jeden von uns kein Ort an dem er auch nur eine einzige Nacht verbringen würde wollen – aber die Menschen, die hier leben tun dies bereits seit mehreren Generationen und mit einem Lächeln im Gesicht!

Auf der Tour durften keine Fotos gemacht werden, und ich hätte auch aus Anstand dort keine gemacht. Die Bilder hier sind von Reality Tours, die die Tour organisiert haben und von deren Erlös 80% zu Gunsten der Menschen eingesetzt werden. Die 2-stündige Tour hat umgerechnet knapp 11€ gekostet und war jeden Cent wert.

IMG_5427Stadtstrand Girgaum Chowpatty

Da Mumbai am Meer liegt, gibt es auch einen Stadtstrand, Girgaum Chowpatty, und ein Besuch war natürlich Pflicht. Ich hatte mir extra den Abend ausgesucht, zwecks Sonnenuntergang und Stimmung und so. Ich war ja noch nie in Rio, aber ich glaube der Anblick der Copa Cabana ist ähnlich. Vielleicht weniger Palmen (oder mehr?), aber links und rechts hat man Ausblick auf die Skyline Mumbais und ein schöner breiter Strand liegt vor einem.

Vor dem Baden wurde im Lonely Planet ausdrücklich gewarnt „Forget about taking a dip; the water’s toxic.“ Deutlicher hätte man es nicht ausdrücken können – also hielt ich respektabel Abstand zum Wasser, holte mir was zu Essen und dinierte mit einem unglaublichen Blick. Ja, so hatte ich mir das vorgestellt! DSC00241

Währenddessen wurde der Strand immer voller – und mit voll meine ich voll. Heerscharen von indischen Familien und Gruppen stürmten den Strand und genossen wie ich den Sonntag Abend, den Sonnenuntergang, das Essen und einfach das Beisammen sein.

Und da ich weit und breit die einzige Ausländerin war, blieben die üblichen Fotoanfragen nicht aus. Bevor ich überhaupt zusagen konnte, sass eine ältere Dame schon neben mir und (vermutlich) ihr Sohn hielt sein Handy direkt vor meine Nase…fand ich ja dann doch etwas dreist, aber als die alte Dame mich ganz lieb anlächelte, sich bedankte und mir noch das Haupt tätschelte, als ob ich eine kleine Gottheit wäre, die einem Glück bringt wenn man sie anfasst, war ich wieder ganz handzahm.

DSC00247Wie würde ich „den Inder“ beschreiben?

Ja, wie sind die Inder eigentlich so? Sie sind neugierig, auf jeden Fall. Sie gucken, eigentlich starren sie schon, und manche trauen auch mich anzusprechen. Einige machen heimlich Fotos oder tuscheln mit Ihren Freunden über die Fremde. Begegnet man ihnen offen, mit einem Lächeln oder winkt ihnen zu, dann bekommt man eigentlich auch immer ein Lächeln zurück.

Und die Kiddies sind mega stolz wenn sie dich Fragen „How are you“ und man antwortet und stellt Ihnen eine Gegenfrage. Das deutsche Pärchen meinte heute, dass die Inder auch sehr hilfsbereit seien – nun, das kann ich so noch nicht bestätigen. Aber ich vermute dass es evtl. daran liegt, dass ich eine Frau bin.  Aber ich bin ja noch ein paar Wochen unterwegs, um Land und Leute besser kennenzulernen.

Apropos, Dienstag geht es dann auch schon weiter – mit den Zug nach GOA, ins Hippie-Paradies!

Wer Lust und Laune hat  – hier gehts zum Fotoalbum Indien!

 

 

 

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4 Kommentare

  • Antworten MrsE! 5. April 2016 at 7:28

    <3 msB! Toll von Dir zu lesen. Geniess die Zeit, schreib weiter fleissig und halte Abstand vom Wasser 😉 Frühlingshafte Grüße aus der zweitschönsten Stadt der Welt.

  • Antworten Gerhard Schweitzer 7. April 2016 at 12:39

    Hallo Janine,
    ich hoffe, dass es mit dem Kommentar klappt und du ihn lesen kannst.
    Also dein Bericht war sehr interessant. ich werde versuchen den Bericht aus zu drucken. Wir freuen uns auf weitere Infos.
    Helga und ich wünschen dir weiter eine gute Reise.

  • Antworten Ramona 7. April 2016 at 14:42

    dein Schreibstil gefällt mir 🙂 bin gespannt wie es weiter geht! lass es dir gut gehen!

  • Antworten Katrin P. 12. April 2016 at 9:23

    Klingt nach einem entspannten Sonntag unter den ganzen indischen Ausflüglern. Erinnere mich noch an deine Erzählungen von deinem damaligen kurzen Indienaufenthalt 😉 Um so schöner solche Geschichten zu lesen. Essen verträgst du? Was gibt’s denn so? Ich freu mich über den nächsten spannenden und interessanten Reisebericht! Fühl dich ganz lieb umarmt

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