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Sagenhaftes Borneo – die Affen sind los

5. August 2016

IMG_6337Meine erste Station in Indonesien ist der Tanjung Puting National Park auf der Insel Borneo, deren Gebiet sich Malaysia, Brunei und Indonesien teilen.

Auf den Spuren der Orang Utans

Der indonesische Teil heißt Kalimantan und ist neben Sumatra der einzige ursprüngliche Lebensraum der großen roten „Waldmenschen“ – der Orang Utans. Auf einem Hausboot (Klotok) tuckern wir 3,5 Tage und 3 Nächte über den Sungai Sekonyer und steuern verschiedene Fütterungsstellen und Auswilderungsstationen sowie das Forschungs- und Rehabilitationszentrum Camp Leaky an.

TOP-Empfehlung: DAS Erlebnis auf meiner 12-Monats-Tour

Was soll ich sagen – die Tour war in absolut jeder Hinsicht einmalig und beeindruckend.

Affen beobachten auf die (fast) sanfte Tour

Fang ich mit dem Wichtigsten an – den Affen. Oh ja, es gab viele Affen zu sehen und nicht nur an den Fütterungsstellen. Diese dienen den ausgewilderten Affen lediglich als Unterstützung. Die Regeln sind streng und ausnahmsweise halten sich auch fast alle dran. Kein Blitzlicht, keine Füttern seitens der Touristen, keine lauten Gespräche…und auch die Selfiemanie vieler Reisenden hält sich in Grenzen. Alle sind einfach nur beeindruckt und versinken in ehrfürchtigem Staunen, als plötzlich das erste große rote Fellknäuel in den Bäumen über unseren Köpfen sichtbar wird.

Und dann kommen sie langsam und nacheinander, wie es die Hierarchie untereinander verlangt, zur Plattform geklettert und stopfen so viel Bananen wie möglich in sich herein, um dann dem nächsten Platz zu machen.

Unglaublich viele Muttertiere mit ihren Kleine und Größeren sind dabei und wir lernen, dass ein Orang Utan Baby bis zu 8 Jahren bei der Mutter verweilt. Während die Einen fressen, turnen die Anderen in den Wipfeln über uns herum und verschwinden dann langsam wieder in den dichten Dschungel.DSC02567

Service und Verpflegung an Board die keine Wünsche offen lassen

Und noch gefangen, von dem was ich da gerade erlebt habe, geht es zurück zum Boot. Dort werden wir schon mit eiskalten Handtüchern und einem Erfrischungsgetränk erwartet. Denn wir sind alle einmal komplett durchgeschwitzt, die Feuchtigkeit ist immens hoch hier im Dschungel.

Wir werden hier an der ersten Fütterungsstelle auch übernachten….wir, das sind noch drei weitere Mitreisende, ein Pärchen aus Holland und Andrea aus Deutschland, mit der ich meine Matratze und das Moskitonetz teile. In der letzten Nacht hielt ich ihr Knie für eine Ratte, die sich unter unserer Bettdecke gemütlich an meinen Hintern schmiegte. Viel Lärm um nichts, wie sich kurz darauf feststellen lies, als alle Anwesenden, dank meinem Lärm, wieder wach und munter waren. 😉

Ausserdem natürlich noch die großartige Crew, bestehend aus Köchin, die uns rund um die Uhr mit grandiosem Essen versorgte (dank ihr bin ich jetzt ein Fan von Bananen in allen Varianten, am liebsten paniert mit Schokostreuseln :-)), dem Kapitän und seinem Assistenten, die uns nicht nur durch die Gegend schipperten, sondern auch Zimmermädchen waren und dafür sorgte, dass es in unseren „zu Hause“ immer schön gemütlich und aufgeräumt war, sowie unserem Tourguide Ivend, ein absoluter Glücksgriff, weil er einfach auf jede Frage eine Antwort und einen sehr guten Humor hatte und wunderschön anzusehen war. Leider entsprach er von der Größe und Gewicht ungefähr meinem Reiserucksack….hach, das mit der Dschungelprinzessin wird wohl nix.

Nachtwanderung im Dschungel – muss wohl sein

Damit es nicht zu „langweilig“ wurde, ging es bei Einbruch der Dunkelheit zur Nachtwanderung in den Dschungel. Ja, also, nach der Sichtung des ersten Skorpions, der ersten Tarantelbehausung und haufenweisen Ameisen war ich froh, über jedes weitere Tier welches wir nicht gesehen und in seiner Behausung angetroffen haben.

Zwischendurch habe ich mir einfach vorgestellt ich flaniere über den Ku’damm. Neben oben benannten Tieren gab es u.a. noch Glühwürmchen und leuchtende Pilze zu bestaunen. Diese blieben aber im Wald und wurden nicht fürs Abendessen eingepackt.

Beim Abendessen unterm Sternenhimmel erzählte uns Ivend über die verschiedenen Aufzuchtstationen und warum und wodurch die Orang Utans zu einer bedrohten Spezies werden konnten. Es ist immer wieder unfassbar wie sadistisch veranlagt Menschen sind…Tiere aus Freude oder gegen Geld zu quälen, einzufangen oder zu töten.

Dazu kommt noch die massiv voranschreitende Abholzung des Regenwaldes auf Borneo. Hier ist eine der größten Palmölindustrien der Welt angesiedelt und aktuell sieht es nicht danach aus, dass zum Schutz des Urwaldes und dessen Bewohner die Produktion verringert oder umgestellt wird.

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Zu Fuß unterwegs

Tag zwei startete mit einem genüsslichen Frühstück unter freiem Himmel. Gestärkt ging es dann für eine kleine Wanderung (ca. 3h) durch den Dschungel. Für den Rückweg stiegen wir in ein kleines Boot, denn der Flussarm hier war viel zu schmal für unser Klotok.

Erfreulicherweise blieb der Motor aus, Balsam für die Umwelt und unsere Ohren. Ach, was soll ich schon wieder nach Synonymen für beeindruckend, wunderschön, märchenhaft suchen – es war so wie es war – verzaubernd und ein beeindruckendes Erlebnis.

Kurzbesuch im Dorf Sekonyer

Am Nachmittag machten wir einen kurzen Spaziergang in dem schräg von der Aufzuchtstation gegenüberliegenden Dorf Sekonyer. Zurück auf unserem Hausboot ging es weiter flußabwärts, immer den Kopf in die Höhe gestreckt, denn in den Baumwipfeln tummelten sich Makaken und Nasenaffen.

Makaken und Nasenaffen überall

Mein Gott, was für ein Erlebnis – vor allem die Nasenaffen sind einmalig. Leider auch einmalig hässlich, aber dadurch schon wieder fast zu cool für diese Welt ;-). Ivend hatte natürlich eine passende Geschichte parat.

Wenn Nasenaffen um die Alphaposition in einer Herde kämpfen kommt es nicht zu blutigen Auseinandersetzungen. Hier reicht bereits Zähne blecken, das größtmögliche aus der Körperhaltung herausholen und den dicksten Ast ordentlich durchschütteln, um den Gegner einzuschüchtern und die Herde zu übernehmen oder zu behalten. Unsere Schlafstelle für diese Nacht war unter einem Baum, den sich auch eine kleine Herde Nasenaffen für diese Nacht auserkoren hatten.

Wer braucht schon Luxus wenn er das hier haben kann

Mittlerweile waren wir nicht mehr auf dem großen Hauptfluss unterwegs, sondern auf einem kleineren, deutlich klareren Nebenfluss abgebogen – schwimmen war aber strengstens untersagt, da es hier Krokodile gibt. Und wir haben tatsächlich dann noch eines auf der Rückfahrt gesichtet.

Während wir am zweiten Tag ausschlafen durften, war die Nacht heute um 6 Uhr zu Ende. Aber das war nicht schlimm – durch das geschäftige Treiben auf dem Boot und dem erwachenden Dschungel wurde man langsam aus den Träumen geholt. Zähne putzend stand ich an der Reling und konnte mein Glück nicht fassen an diesem magischen Ort zu sein. Scheiß auf alle 5 Sterne Hotels dieser Welt – zumindest für den Moment ;-).

Zur zweiten Fütterungsstelle führte uns der Weg durch sogenannten Sekundärwald, d.h. hier wurde neu aufgeholzt. Inzwischen konnte ich deutlich entspannter dem Geschehen und Treiben folgen…nicht nur, dass das Auge jetzt etwas geschulter war, auch nahm ich mir erstmal Zeit, alles ausgiebig mit den Augen und dem Herzen aufzusaugen und die Kamera mal für 5 Minuten aussen vor zu lassen.

Camp Leaky – das Herz der Orang Utan Forschung

Am Camp Leaky, der dritten Station, wurden wir schon von den frechen Malakaken erwartet. Die warten hier geduldig auf die Boote, um sich dann blitzschnell auf das Obst und alles Essbare auf den Tischen zu stürzen und dann in Null Komma Nix wieder runter vom Boot zu sein. Wir konnten es live beobachten.

Am Rand des Ufers und auf dem Steg kann es auch schon mal passieren, dass ein Orang Utan des Weges daherkommt – hier sind sie besonders gut an den Menschen gewöhnt.

Camp Leaky wurde 1971 gegründet und ist DAS Zentrum zur Erforschung des Wesens der Orang Utans. Gleichzeitig ist es ein Rehabilitationszentrum für Waisen und verletzte Tiere. Biruté Galdikas, die Gründerin, ist im Prinzip das, was Diane Fossey für die Gorillas und Jane Goodall für die Schimpansen war. Ihr ist mehr oder weniger das komplette Wissen über das Wesen der Orang Utans zu verdanken. Und die Forschungsstation wird auch bis heute noch rege genutzt. Als Extra gab es diesmal nicht nur wunderschöne Orang Utans zu sehen, sondern auch Max, einen Gibbon.

Tag 3 neigte sich dem Ende und man konnte spüren wie berührt alle waren und dass keiner so wirklich in die Realität zurück wollte. Ich hätte noch ein paar Tage auf diesem Fleckchen Erde verweilen mögen!

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Trennung in allen 7 Windrichtungen

Wieder zurück in Kumai – die kleine, gemütliche Hafenstadt war Anfangs- und Endpunkt unseres Dschungelabenteuers. Hier trennten sich unsere Wege – die einen steigen ins Flugzeug nach Lombok, Andrea blieb noch einen Tag in Kumai und für mich ging es mit dem Nachtbus ins 16h entfernte Banjarmasin, inkl. 1x umsteigen um 2 Uhr nachts.

Nachtbus fahren in Indonesien

Ich war das einzige Weißbrot an Board! Noch ganz verzaubert von dem jungen Dschungeltarzan hoffte ich auf eine weitere nette Reisebegleitung! Leider wurde ich schwerstens vom Schicksal enttäuscht. Auf der ersten Tour teilte ich meinen (Gott sei Dank) geräumigen Sitzplatz mit einem kleinen, über riechenden Hutzelmännchen. Aber als „Weiße“ war ich ihm anscheinend auch nicht ganz geheuer. Zumindest schaute er mich immer etwas ungläubig aus seinen blutunterlaufenen Augen an.

Die zweite Fahrt wurde nicht besser – wieder ein alter Mann, mit offener Wunde am Bein und Schläuchen, die aus seinem Hemd herausguckten. Ich will nicht näher darauf eingehen – ich war also mittendrin im Leben, statt nur dabei. Während der ersten Stunden der Fahrt genoss ich es einfach nur aus dem Fenster zu starren. Mit der passenden Musik auf den Ohren (und genügend Abstand zu der Stinkbombe neben mir) fühlte ich mich plötzlich so frei wie noch nie zuvor auf dieser Reise. Und das eine und andere Freudentränchen rollte mir über die Wange! 

Der erste Bus raste in halsbrecherischer Fahrt über die Straßen und wir machten einen kurzen Abstecher ins Kiesbett, vermutlich weil der entgegenkommende Verkehr beim Überholen nicht schnell genug war. Passiert ist zum Glück nichts und ich war froh hinten zu sitzen und das Elend nicht direkt mit ansehen zu müssen.

Der zweite Bus war ausgeschrieben als „executive“ Variante, sollte nach meinem Verständnis also deutlich komfortabler sein. Anscheinend habe aber nur ich das so verstanden. Der Bus war deutlich enger – so klein, dass der Busfahrer nicht mehr wusste wohin mit dem ganzen Gepäck und verzweifelt die Arme über den Kopf schlug.

Banjarmasin – Floating Markets in Indonesien

Diesmal saß ich ganz vorn – und der Angstschweiß begann schon zu tropfen, in Erinnerung an die letzte Busfahrt. Aber dieser Busfahrer war eher von der gemütlichen Sorte, so dass wir heil und pünktlich, früh um 9 Uhr, in Banjarmasin, in Süd-Kalimantan, ankamen. Ich war mir noch nicht so sicher wie lange ich bleiben wollte und buchte mich erstmal für eine Nacht im Hotel Perdana ein.

Das Hotel war ein echter Glücksgriff. Linda, von der Rezeption, spricht einwandfreies Englisch und hat alles in Bewegung gesetzt, dass ich noch am selben Tag eine Tour durch die Kanäle der Stadt und am nächsten Morgen zu den schwimmenden Märkten machen konnte.

Mit dem Boot durch Banjarmasin

Mit einem Miniboot durchquerte ich die zahlreiche Kanäle und Flussarme, welche sich durch Banjarmasin ziehen. Das Leben findet hier hauptsächlich am Fluß statt. Zum Duschen springt man morgens einfach in den Fluß oder kippt sich literweise das Flusswasser, hockend oder auf dem Steg sitzend, über den Kopf. Im selben Fluß wird das Geschirr abgewaschen, die Wäsche gewaschen und leider auch das persönliche Geschäft verrichtet sowie der Müll entsorgt.

Ich komme mir ja immer komisch vor auf solchen Touren, und versuche beim Fotografieren niemanden in seiner Privatsphäre zu stören. Aber überall werde ich mit einem Lächeln und Winken begrüßt – von den Kleinen und den Großen. Die Menschen kennen nur dieses einfache Leben und sie sind glücklich hier.

Nachdem Linda mich auf ihrem Scooter zur Bootstour gebracht hatte, haben wir uns noch fürs Abendessen verabredet, ebenfalls am Fluß. Ich bin ganz begeistert von der unglaublichen Freundlich- und Herzlichkeit der Menschen. So sehr, dass ich meine deutsche Skepsis gegenüber allem und jeden der mich auf der Straße anquatscht, fast fallen lassen kann. Hoffentlich bleibt mir das für den Rest der Reise erhalten.

Nach der Bootstour sitze ich noch etwas am Ufer und werde von einer jungen Indonesierin angesprochen, die mich dann ebenfalls noch direkt zu sich nach Hause einlädt. Aber ich bin ja „leider“ schon verabredet.

Schwimmenden Märkte

Highlight hier in Banjarmasin, abgesehen von den Menschen, sind die schwimmenden Märkte, berühmt in ganz Indonesien. Also ging es heute, noch vor Sonnenaufgang, wieder ins Boot und nach ca. 45 Minuten war ich mittendrin – im schwimmenden Markt von Lokbaintan.

Was für ein Gewusel, was für Farben, was für eine Geräuschkulisse. Anstatt in den Supermarkt zu fahren, steigt man hier ins kleine Holzboot, packt Bananenstauden, eimerweise Limetten, Obst und Gemüse, Kleidung etc. ein und geht „shoppen“. Neben dem Geschäftlichen wird die Zeit natürlich auch zum Austauschen der letzten Neuigkeiten genutzt. Ein kunterbuntes Treiben und herrlich anzusehen.

Tja, und jetzt sitze ich in der Hotellobby und warte auf mein Taxi welches mich zum Flugzeug bringt. Die erste Woche Indonesien ist fast um, und bisher ist es das beste Land auf meiner Route. Ich werde wohl definitiv wiederkommen nach Kalimantan, zu den Orang Utans und den von mir, auf dieser Tour leider vernachlässigten Gegenden. Wie immer war ich zu voreilig mit dem Buchen des Fluges für mein nächstes Ziel.

Nach dem Abendessen mit Linda hätte ich vermutlich noch mindestens eine weitere Woche hier auf den vorgelagerten Inseln verbringen können. Aber ist ja nur aufgeschoben. Jetzt geht es erst einmal weiter für mich, nach Yogyakarta, auf Java, der Hauptinsel Indonesiens.

Wer noch mehr Bilder von den Affen und aus Kalimantan sehen möchte, der klickt hier.

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