Allgemein, Ecuador

Galapagos – Urlaub am Ende der Welt

5. Dezember 2016

Galapagos – ein wahrgewordener Traum

Vor genau 10 Tagen landete ich auf der Insel Baltra – dem Flughafen von Santa Cruz, eine der drei größeren Inseln des Galapagos Archipels. Scherzhafter Weise hatte ich meine Zeit auf Galapagos als „Urlaub“ angekündigt – Urlaub vom Urlaub sozusagen ;-). 

Nachdem Galapagos eigentlich gar nicht zu meinen Top-Zielen gehörte, entschied ich mich dann doch für den Abstecher auf Grund der vielen überwältigenden Erzählungen und leuchtenden Augen von Reisenden, die ich unterwegs traf. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit belas ich mich zu meinem neuen Ziel und entschied mich, erst direkt vor Ort nach einer Cruise rund um die Inseln zu suchen.

Von den geplanten 10 Tagen wollte ich so viel wie möglich auf und im Wasser verbringen und so waren dann auch die zwei wichtigsten Fragen bei meiner Recherche vor Ort „Wann gehts los?“ und „Wie lang sind wir unterwegs?“ Wichtig für mich war natürlich auch die Anzahl der Passagiere. Ich wollte partout nicht auf ein Schiff mit mehr als 16 Personen. Bei der Route war ich hingegen mehr als flexibel – egal wohin wir segeln würden, es konnte einfach nur gut werden!!!

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Um vom Flughafen nach Puerto Ayora, der Hauptstadt von Santa Cruz zu kommen, bedarf es einer kleinen (weiteren) Weltreise. Raus aus dem Flughafen, rein in den Transferbus zur Fähre….kurz staunend,  das in den schönsten azurtönen schimmernde Wasser bewundern und sich schnell mal kneifen, um zu realisieren, dass man wirklich hier ist. Nach einer Mini-Strecke durch den Kanal auf der anderen Seite wieder runter von der Fähre und rein in den Bus. Nach ca. 45 Minuten steige ich auf der anderen Seite der Insel wieder aus und bin dann endlich da.

Auf der Suche nach der perfekten Schiffstour

Obwohl mir schon etwas der Magen knurrt will ich erstmal das mit der Cruise klären…sonst komm ich noch zu spät und das Super-Mega-Duper-Schnäppchen wird mir vor der Nase weggeschnappt. Denn eines ist sicher – günstig wird das hier nicht!

Nachdem ich, auch wieder total untypisch, 4-5 Agenturen abgeklappert habe, entscheide ich mich für das erste Angebot: Abfahrt am nächsten Morgen, 8 (!!!!!) Tage auf dem Katamaran „Solitario Jorge“, max. 16 Personen und tägliches Schnorcheln….alle Anforderungen erfüllt … gekauft und jetzt darf sich gefreut werden. 🙂 Ach ja, und mein Magen knurrt mittlerweile mächtig gewaltig!

Also mein Glück mit Tourguides scheint irgendwie aufgebraucht zu sein. Am nächsten Morgen erwartet uns am Pier ein grimmig dreinblickender, etwas zu kurz geratener (vielleicht liegt es daran) Ecuadorianer, der uns im Befehlston und recht unwirsch die Schwimmwesten aufdrängt und uns zum Beiboot beordert. Wäre ich nicht so eine friedfertige und ausgeglichene Person ;-), es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte ihn vom Steg gestoßen.

Ich und noch 8 weitere Reisende entern den Katamaran. Es sind bereits 7 Passagiere an Board die schon 4 Tage Cruise hinter sich haben. Ich teile mir die echt große Kabine, inkl. eigenem Bad mit Anna, einer Deutschen, deren Mann hier auf Galapagos in der Charles Darwin Stiftung forscht. Sie und ihre zwei Kinder begleiten ihn bei diesem Abenteuer und ich finde es super spannend, was sie so von ihrem „ecuadorianischen/ galapagotischen Alltag“ berichtet.

Das Leben an Board

Der Katamaran ist super geräumig, alle Kabinen haben Fenster…ich bin ja schon viel gewöhnt, das hier ist für meine Verhältnisse schon fast luxuriös. Das Einzige was fehlt ist ein Sonnendeck…aber egal, ich finde schon ein passendes Fleckchen. Viel Zeit zum Sonnen habe ich eh nicht, denn kurz nach der Abfahrt wird sehr leckeres Essen serviert und nach einem kleinen Sonnenverdauungsbad wird das erste Mal gestoppt und es ist Zeit zum Schnorcheln.

Erster Stop – Santa Fe

Wir ankern vor der Insel Santa Fe und werden mit zwei kleinen Booten, sogenannten Dinghis, etwas abseits vom Katamaran auf dem Meer ausgesetzt. Jetzt bin ich aber mal echt gespannt….berichtet wurde von Schildkröten, Haien, Rochen, Fischen und natürlich Seelöwen, die sich in ihrem unbändigen Spieldrang sehr nah an den Menschen heranwagen.

Aber bevor ich das ganze genießen kann, bin ich erstmal kurz paralysiert….Sch…ist das Wasser kalt! Und dann beim Eintauchen auch noch direkt einen großen Schwall Salzwasser geschluckt….Prust! Hust! Schnappatmung!

Das erste Mal Schnorcheln ist für mich immer noch eine Umstellung. Aber nach wenigen Atemzügen habe ich mich dran gewöhnt und genieße es, meine ruhigen und tiefen (Darth Vader-) Atemzüge zu hören, während ich kurz unterhalb der Wasseroberfläche dahinschwebe. Wir haben auch Taucher an Board, aber noch konnte ich mich nicht zu diesem nächsten Schritt durchringen – etwas Zeit ist dafür ja noch  ;-).

Bisher ist das Schnorcheln noch jedes Mal ein absolutes Highlight – und nun ja, was soll ich sagen – kein einziger Erlebnisbericht war übertrieben. Auf der ganzen Tour ist jeder Schnorchelgang einzigartig! Mal komplett abgesehen von der verrückten Tierwelt (dazu komme ich gleich) ist die Unterwasserwelt einfach faszinierend. Von Unterwassersanddünen bis hin zu wahren Unterwassergebirgen, mit Spalten und Felsformationen bedeckt mit grünen Seealgen, war alles dabei.

Und plötzlich zieht ein dunkler Schatten an mir vorbei – es braucht seine Zeit bis man sich an die Sicht unter Wasser gewöhnt hat und mein fehlendes Tiere-Sichtungs-Talent macht es mir auch nicht gerade einfacher. Die ersten Meeresschildkröten und Seelöwen sehe ich erst nach mehrmaligen penetranten darauf hindeuten meiner Mitschnorchler – man, man, man….da sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Aber irgendwann bin ich mittendrin und klatsche unter Wasser vor Aufregung in die Hände als ich Seelöwen und Meeresschildkröten dann endlich auch selber entdecke.

Erstere flitzen in einem Affenzahn über, unter und neben mir vorbei, Letztere lassen sich eher gemütlich durchs Wasser trudeln, so hat es zumindest den Anschein. Und immer wieder muss ich aufpassen den Tieren nicht selber zu nahe zu kommen – die Strömung und die Wellen übernehmen oftmals die Überhand und dann heißt es gegensteuern oder zusammenstoßen – und das sollte schon aus rein ökologischen Gründen verhindert werden.

Auch in den nächsten Tagen ist es immer wieder erstaunlich und unbegreiflich wie wenig Angst die Tiere an Land und im Wasser vor uns haben. Teilweise kann man bis auf wenige cm herangehen, ohne dass sie fliehen oder angreifen.

Erster Kontakt mit Seelöwen, Iguanas und Haien

Der Landausflug führt uns am Barrington Strand direkt in das Herz einer Seelöwenkolonie – die kleinen Seelöwenbabies erweichen wirklich JEDES Herz! Ich könnte stundenlang am Strand sitzen oder auf und ab laufen und den Burschen beim herumwatscheln, dösen und planschen zuschauen. Während unseres Landspaziergangs entdecken wir die endemischen Iguanas. Von den kleinen Drachen gibt es jeweils Land- und Wasserversionen. Auf dem Weg zurück zum Boot sehen wir plötzlich unter uns im Wasser dunkle Schatten Richtung Strand schwimmen – White Tipp Reef Sharks. Ich erstarre für einen Moment. Haie flößen mir gehörig Respekt ein – trotzdem möchte ich auch ihnen mal unter Wasser begegnen.

Karg und vulkanisch – die Galapagos Inseln

Landschaftlich überraschen mich die Inseln sehr…bin ich doch mit dem Gedanken an Palmen, weißen Sandstränden, Badewannenwarmen-Wasser – halt so ein wenig Karibik- angereist. Gut, den Kälteschock im Wasser hätte ich mir erspart, wenn ich für eine Minute der Realität ins Auge geblickt hätte: Pazifik + Humboldt-Strom = kalte Wassertemperaturen.

Das Galapagos-Archipel umfasst 17 Inseln. Während der Cruise konnte ich sieben davon betreten und alle waren eher karg. Vulkane, z.T. noch aktiv, Kakteen, schwarzes Lavagestein – eigentlich kein wirtlicher Ort zum Leben. Ungefähr 30.000 Menschen leben dennoch verteilt auf drei Inseln, davon allein 15.000 auf der Größten, Santa Cruz.

Insel Floreana – Postkarten für daheim

Obwohl auf der Insel Floreana heute niemand mehr lebt, gibt es noch ein ganz besonderes funktionierendes „Postamt“ aus früheren Zeiten. Hier hinterlassen die Touristen ihre Postkarten an Freunde, Familie oder sich selbst – ohne Briefmarke. Die zukünftigen Besuchergruppen durchstöbern die Postkarten und wenn eine aus dem eigenen Heimatort oder -land dabei ist und man Lust hat, nimmt man diese Karte mit und liefert sie entweder persönlich aus oder schmeisst sie in den nächstgelegenen Briefkasten zu Hause. Auch meine Gruppe fällt über die Postkarten her und einige sind in die Taschen gewandert, um dann von zu Hause verschickt zu werden.

Die wunderbare Routine von Frühstück, Schnorcheln, Spaziergang, Mittag, Segeln, Schnorcheln, Spaziergang, Abendessen, Segeln ist genau mein Ding. Das Essen ist großartig und die Crew sehr herzlich. Vermutlich weil ich bis dahin der einzige weibliche Single an Board bin kann ich mir besonderer Aufmerksamkeit sicher sein 😉 Südamerikanische Männer haben grundsätzlich Kinder und sind verheiratet ABER seperado, also getrennt lebend. Ja, Nee…is klar!

Was man auf Galapagos sehen kann

In den nächsten Tagen sollte ich noch des öfteren staunend und ehrfürchtig im Wasser daherschnorcheln. Eins sei an dieser Stelle gesagt, „Aahs“ und „Oohs“ funktionieren auch unter Wasser ;-). Debil Grinsen dagegen nicht so gut. Also was ist mir denn nun so alles vor die Taucherbrille gekommen:

  • Wasserschildkröten – am letzten Tag ankerten wir vor einer Bucht, in der es so viele Schildkröten gab, dass ich aufpassen musste nicht aus versehen in eine rein zu schwimmen. Überall wo man hinschwamm oder hinschaute gleitete so ein gemütlicher Wasserriese an einem vorbei.
  • Seelöwen – es soll schon vorgekommen sein, dass der eine oder andere Schnorchler einen Kuss bekommen hat. Ich habe mich damit begnügt ihnen im seichten Wasser beim Spielen zu zuschauen und dann aber doch auf einen gewissen Sicherheitsabstand zu gehen. Erst recht wenn vor dir plötzlich ein gar nicht mehr so kleines Alphamännchen auftaucht.

    • Rochen – hier gab es zwei ganz besondere Momente. Einmal kam direkt ein riesiger, also ein wirklich richtig großer, großer Mantarochen auf mich zu. Der hatte eine Spannbreite von mind. 2m, denn als ich über ihm war, war er definitiv noch größer als ich.
      Und ein anderes Mal tauchte hinter uns eine Golden Eye Rochen-Schule auf. Bestimmt 15-20 Rochen schwammen in Formation und wir folgten ihnen ein paar Meter, bis sie in den trüben Tiefen des Ozeans verschwanden.
      Darüberhinaus haben wir noch etliche Male vom Boot aus gesehen, wie diese Tiere 1-2m aus dem Wasser heraus in die Höhe gesprungen sind, um lästige Parasiten loszuwerden. Wenn ein Mantarochen wenige cm unterhalb der Wasseroberfläche dahingleitet und einer seiner „Flügel“ aus dem Wasser ragt, sieht es aus, als ob es ein Hai wäre.20161202_052652-1
    • Galapagos-Pinguine – habe ich leider nur vom Ufer aus jagen sehen.dsc05256
    • Pelikane – waren kontinuierlich an unserer Seite und ständig im Sturzflug auf der Suche nach Futter.
    • Haie – die schon erwähnten White Tipp Reef Sharks sind weit verbreitet in den Gewässern und daher leichter zu sehen. Auf den vielen Schnorcheltripps ist immer mal wieder vereinzelt einer unter mir vorbeigezogen oder wir haben sie in den Felsspalten entspannt dösen sehen. Wieder am letzten Tag dann das ultimative Highlight. Wir waren in einer Bucht, wo die Haie sozusagen nisten. Und als sich vor uns dann plötzlich bis zu 20 dieser Haie befanden wurde mir schon mulmig zu Mute. Die meisten dösten im Wasser, einige zogen ihre Bahnen und es hatte den Anschein, als dass sie nicht weiter von uns beeindruckt wären oder uns als Gefahr sehen würden, aber man konnte dennoch sehen wie ihre Augen unsere Bewegungen immer mit verfolgten.

  • Blue Footed Boobies (Tölpel), Falken, Fregattvögel u.v.m. – auf Grund der Nahrung, ähnlich wie bei den Flamingos, färbt sich ihr Schnabel und die Füsse Babyblau. Auf einigen wenigen Inseln gibt es auch noch die Red Footed Boobies.

Galapagos – Top 3 der Erlebnisse meiner Reise, dank der perfekten Crew

Als wenn das nicht alles schon genug wäre, um in die Top 3 der absoluten Highlights meiner Reise aufgenommen zu werden, kamen am 4. Tag noch Reto, Stacey und Jaydeen an Board. Nachdem alle anderen Passagiere das Boot verlassen hatten, war nur noch ich da und wurde zwischenzeitig an einem einsamen Strand geparkt, während die Crew den Katamaran wieder flott machte für die neuen Gäste.

Unsere kleine 4er-Kombo wurde das absolute Dreamteam. Grumpy-Robi, wie wir unseren Guide Roberto scherzhaft nannten, war inzwischen auch aufgetaut und schenkte uns ab und zu mal ein bezauberndes Lächeln. Und wir hatten das gaaaaanze Boot und den gaaaaaaanzen Ozean für uns allein.

Nicht unerwähnt möchte ich die Party auf unserem Katamaran lassen. Es war schon spürbar, dass sich die Crew fasst mehr darauf freute als wir vier – aber auch mich juckte es in den Füssen. Wie damals in der Schule saßen auf der linken Seite die Gäste und auf der rechten Seite die Crew…nachdem sich am Anfang alle etwas zierten und eher zurückhaltend waren, wurden wir vom Koch mit Caipirinha gefügig gemacht ;-).

Irgendwann waren dann alle am rumhampeln und meiner einer versuchte sich am Salsa tanzen, aber da gaben selbst die tanzwütigen Ecuadorianer auf. Das mit dem Paartanzen ist irgendwie nicht meins. Aber Salsa lernen ist definitiv noch ein Punkt auf meiner To Do Liste. 

Die Crew in Action

Und nicht vergessen  – die Riesenschildkröten an Land

Upps, jetzt hätte ich doch fast noch unseren Abstecher am letzten Tag in die Berge vergessen. Die Riesenschildkröten, das eigentliche Wahrzeichen von Galapagos, leben hier in freier Wildbahn und können, wie soll es auch anders sein, ganz nah beobachtet werden.

Absolut beeindruckend – und im Gegensatz zu ihren Verwandten im Wasser, deren Beine eher Flossen gleichen und die doch recht schnell unterwegs sein können, bewegen sich die Landschildkröten auf ihren eher an Elefanten erinnernden Füssen sehr, …sehr, …….sehr, …..schnarch….sehr gemächlich durch die Gegend. Die Riesenschildkröten können eine Panzerlänge von bis zu 130 cm und ein Gewicht von bis zu 300kg erreichen ;-).

Ach, mein Herzchen wird etwas schwer beim Schreiben dieses Artikels. Ich kann nur hoffen und mir wünschen, dass dieses Paradies noch Ewigkeiten so unberührt und wunderschön bleibt.

Von Guayaquil nach Galapagos

Was ebenfalls nicht unerwähnt bleiben soll: Meine erste Station in Ecuador waren ja nicht die Galapagos-Inseln. Von Lima bin ich nach Guayaquil geflogen, dem Tor zum Galapagos-Archipel, welches ca. 1.000 km vom Kontinent entfernt liegt. In Guayaquil empfingen mich tropische Temperaturen, es war fast schon schwül und mein Gefühl von Urlaub stieg sprungartig an. An einem großen Fluß liegend, hat die Stadt eine ganz schöne Uferpromenade, ein paar sehr schöne alte architektonische Perlen und einen winzigen Park in dem sich Landiguanas angesiedelt haben.

Alle Bilder und noch mehr Unterwasservideos gibt es wie immer im Fotoalbum.

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1 Kommentar

  • Antworten Dennis 13. Dezember 2016 at 17:13

    Beim Lesen werde ich schon echt wahnsinnig. Hammer hammer hammer mega toll. Ich beneide dich ja schon die ganze Zeit über, das ist echt noch mal ein i Tüpfelchen. Auf jeden Fall auch eines meiner großen Reiseziele für die Zukunft. 🙂

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