Allgemein, Deutschland

Föhr – 48h Ausflug in die (friesische) Karibik

18. Juli 2018

Ehrlicherweise begann mein Kurzurlaub bereits am Samstagmorgen in Hamburg, wo mich liebe Freunde zum Frühstück in die Zuckermonarchie entführten. Bevor mein Zug um halb 4 Richtung Nordsee startete hatten wir noch Zeit für einen kleinen Kreislaufbeschleuniger und genehmigten uns einen Rosé auf Eis in der Rooftopbar „Clouds“ in den Tanzenden Türmen – mit sagenhaftem Blick über den Hafen Hamburgs, die Elbphilharmonie und das tanz- und partiewütige Völkchen, welches zum jährlichen Schlagermove aus der ganzen Nation angereist war.

Für mich hieß es aber nicht Party hard sondern chillaxen satt.

Föhr: Anreise mit der Bahn

In gut 4h ist man von Hamburg Hbf auf Föhr. Entweder direkt mit dem IC nach Dagebüll Mole. Achtung, ein Teil des Zuges wird in Heide abgekoppelt. Also aufpassen, dass Ihr im richtigen Abteil sitzt!

Um auf eine Insel zu kommen, brauch man ein Schiff. Die knapp 50 minütige Fahrt von Dagebüll Mole nach Föhr ist mega idylisch….und überhaupt nicht so rau wie ich es von meinen vorherigen Nordsee- und generell Seeüberfahrten kenne. Es war mäßig windig und es zeigten sich die ersten Sonnenstrahlen, die ich in Hamburg noch vermisst hatte.

Zurück dann mit der Fähre um 9.35 Uhr – kein Lüftchen wehte, die Sonne knallte, die Aussicht war klar und erlaubte mir Föhr zum Abschluss in all seiner Pracht noch einmal aufzusaugen. Nur noch einmal Umsteigen in Niebüll in den RE und in 2h später bin ich in Hamburg Altona. Also, relativ schnell und ohne große Umstände liegt die Karibik mehr oder weniger direkt vor unseren Füßen!

Warum eigentlich Friesische Karibik?

Im Gegensatz zu den anderen Nordseeinseln, wo immer die sogenannte „steife Brise“ dem Besucher ums Näschen weht, ist Föhr überraschend windstill. Laut Wetterapp war für die kommenden 3 Tage Sonnenschein pur angesagt, aber leider nur kühle 16-18°Grad. So packte ich lieber mal einen Pulli und eine lange Hose mehr ein.

Aber bereits auf der Fähre nach Föhr zeigte sich das Wetter von der überraschend angenehmen Seite. Die Sonne brach durch die Wolken, ein leichtes Windchen wehte und als wir dann anlandeten, war es tatsächlich so warm, dass ich mich erstmal von Jacke und Tuch befreien musste.

Die vorgelagerten Inseln Amrum und Sylt sowie die Halligen fungieren als wahres Schutzschild vor dem rauen, berüchtigten Nordseeklima. Dazu kommt noch der Golfstrom – und schwupps, schon fühlt man sich wie in der Karibik. So einfach kann das sein!

Wie schläft es sich auf Föhr?

Gefühlt besteht die Inseln nur aus Ferienwohnungen. Gott sei Dank entpuppen sich die 2-3 „Bettenburgen“ – die man vom Wasser aus erkennt –  als Klinikanlagen, gebaut mit dem Charme der 60/70iger Jahre. Der Rest sind wirklich zu 80% schöne, größere und kleinere, moderne und klassischere Ferienhäuser, die zumeist von Familien belegt sind.

Wen trifft man auf Föhr?

Föhr ist eine Familieninsel.

Also für Kinder, Kleinst – wie pubertierenden Teenagern – absolut unbedenklich und zu empfehlen. Erstere können bis zum geht nicht mehr spielen und gefahrlos im Watt herumtollen. Letztere kommen auf keine dummen Gedanken – wie und wo auch ;-). Sind ja nur Familien da!

Aber auch als Alleinreisende(r) hat man seinen Spaß und kann die Insel in vollen Zügen genießen. So wie ich es in den letzten 48h getan habe.

Was tun auf Föhr?

Föhr aktiv erleben

Immer noch die Hektik der Stadt im Nacken – zugegeben, das verliert man auch in 48h nicht ganz – möchte ich recht früh los, denn heute will ich mir ein Bild von der ganzen Insel machen. Mit dem Fahrrad!

Meine Recherchen haben ergeben, dass es hier einige gut ausgeschilderte (das ist ja für mich immer sehr wichtig – Stichwort: Orientierung und verloren gehen) Fahrradwege gibt. Einer führt um die komplette Insel und ist ca. 40km lang. Den will ich machen – wenn schon, denn schon.

Beim ersten Fahrradverleih, der direkt neben meiner Unterkunft liegt, werde ich nicht fündig. Die Fahrräder kosten 7€/Tag, sind aber leider Schrott. Ein paar hundert Meter weiter wird mir Föhrrad empfohlen. Hier kosten die Räder zwar 9€/ Tag, dafür bekomme ich aber auch ein Trekkingrad – mit Körbchen und funktionierenden Bremsen. Generell fallen die Preise wenn man für mehrere Tage bis Wochen mietet.

Dunsum, Oldsum, Utersum – wo geht’s herum 😉

Ich entscheide mich die Route mit dem Uhrzeigersinn zu fahren und mein erster (Frühstücks-) Stopp ist in Nieblum. Ein ganz wundervolles, bezauberndes Örtchen. Wer Reetdachhäuser und Friesencharme einmal live erleben will, der sollte nach Nieblum fahren. Unheimlich pittoresk und ich glaube für einen längeren Aufenthalt auf Föhr der beste Aufenthaltsort.

Leider habe ich wieder einmal Pech was die Lokalitäten vor Ort angeht: späte Öffnungszeiten (10/ 11 Uhr oder erst gegen Nachmittag), Ruhetage oder aus familiärem Gründen heute geschlossen lese ich an vielen Cafés und Restaurants die ich ansteuere. Achtung, auch Google ist hier nicht immer auf dem aktuellsten Stand.

Aus der „Not“ heraus gibt es dann halt eine Waffel mit Erdbeeren und Eis zum Frühstück. Man nimmt was man kriegt ;-)! In Nieblum schau ich mir auch noch die Kirche und den Friedhof an. Die Kirchen werden hier im Norden auch „Friesendome“ (das kennt google übrigens) genannt. Vermutlich weil sie im Gegensatz zu den kleinen, verschnörkelten Wohnhäusern sehr mächtig und standfest erscheinen. Die kleinen Handwerks-, Deko- und Lebensmittelläden muss ich leider links liegen lassen.

Weiter gehts Richtung Westen und der „Seestern auf grünem Hintergrund“-Rundweg führt mich auf kleinen Sand- und Kieswegen vorbei an Wäldern, dem Inseleigenen Flughafen, Golfplatz, entlang der Dünen durch die Orte Witsum, Utersum, Dunsum, Süderende und Oldsum. Über mir der strahlend blaue Himmel, die Sonne lacht am Himmel, ab und an ein kleines Gegenlüftchen und nichts als Idylle und weites Land um mich herum. Es ist einfach herrlich!

Am späten Mittag zieht dann doch eine kleine Knurrwolke an meinem „es-ist-so-wunderbar“-Himmel auf – ich bekomme langsam Hunger! Erst „Im Apfelgarten“ werde ich mit offenen Türen und einem leckeren Vesper-Teller empfangen und mein Wölkchen verzieht sich wieder. Eigentlich sollte man hier Kuchen esse – aber ich hatte noch nichts deftiges heute, daher lasse ich den Kuchen links liegen.

Und plötzlich ist da nur noch das Marschland und ich

2/3 der Strecke habe ich geschafft – es sind noch knappe 15km nach Wyk und die führen mich quer Feldein durchs Marschland. Und dann bin ich plötzlich allein. Fast die komplette Strecke radel ich allein – niemand hinter oder vor mir, niemand quert meinen Weg. Ausser ein paar Pferden, Ziegen, Kühen und den schrecklichen Pferdebremsen gibt es nur mich hier. Und das, obwohl ich mich mitten in der Hochsaison befinde.

Langsam fangen meine Knie an zu schmerzen und ein leichtes Brennen macht sich im Oberschenkel bemerkbar. Aber das Ziel ist nicht mehr weit. Für meinen Abschluss habe ich mir das berühmte Café „Klein Helgoland“ ausgesucht. Das einzige Café auf Föhr direkt am Meer – und ich habe Glück. Kein Ruhetag, keine Familienfeste – ein Sonnenplatz auf der Terrasse ist meiner und ich schwelge im Kaffe- und Teeglück. Denn natürlich trinkt man hier Tee.

Strandpromenade Föhr

Wyk ist der Hauptort der Insel. Die Strandpromenade liegt nur max. 7/8 Gehminuten von der Fähre entfernt und beheimatet Geschäfte, Cafés, Eisläden, eine neue Bar „Fußbar“ mit grandios gemixten Cocktails, natürlich einem Kurhotel und dem obligatorischen Kurplatz. Bis spät Abends sitzen die Leute in den Cafés und Kneipen oder schauen beim Beachvolleyball oder Schach spielen zu oder verlieren sich einfach nur beim Blick aufs blaue Meer.

Ich komme mir vor wie im weit entferntesten Strandurlaub.

Das Meer leuchtet strahlend blau, die Temperaturen sind einfach nur super angenehm und es ist bis 22 Uhr Taghell!!!! Das beeindruckt mich fast mit am meisten – wie lange es hier hell ist. So können die Tage am Strand voll und ganz genutzt werden. Auch bezüglich Rückgabe von Rädern und Strandkorbschlüsseln sind die Föhrer entspannt. Für alles gibt es Briefkästen, Hauptsache bis 9 Uhr am nächsten Morgen steht alles wieder an seinem Platz.

Nachtleben auf Föhr

In Wyk gibt es direkt am Strand zwei einfache Strandbars, das Pitchies und das Schapers. Einfach im Sinne von einfaches Essen (Burger, Bratwurst, Pommes, Longdrinks, Bier und die Standard Cocktails) und einfach ein paar Strandkörbe, Stühle und Bierbänke aufgestellt.

Im Schapers habe ich an zwei Abenden Live-Musik erlebt. Ein Treffpunkt für die ganze Familie – die ganz kleinen spielen im Sand, die etwas älteren knüpfen eventuell doch den einen oder anderen Kontakt mit gleichgesinnten großen Geschwistern oder toben durchs Watt. Mutti, Vati und die (Babysittendenden) Großeltern gönnen sich ein Bier, Aperol oder eine Bionade und schauen beglückt auf die Kleinen.

Es ist wie ein großes Ferienlager – und als der Sänger dann noch eine wirklich gut gelungene Coverversion von „What’s up“ der 4Non Blondes zum Besten gibt kann man gar nicht anders als sich einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu fühlen. Es ist einfach nur Perfekt!

Faulenzen auf Föhr

Geht ganz einfach, kurz und schmerzlos – einen der zahlreichen Strandkörbe mieten (10€/ Tag) und sich dann 8h in der Sonne braten lassen. Sobald das Meer dann wieder flutet in das erfrischende Nass stürzen und in Nullkommanix von der Sonne wieder wärmen und trocknen lassen. Das wars!

Um diesem angeblich unspektakulären Tag noch das gewisse i-Tüpfelchen aufzusetzen, gönne ich mir mein erstes Michelin dotiertes Restaurant. Das Restaurant „Alt Wyk“ wird bereits seit 2012 jährlich mit einem Michelin Stern ausgezeichnet – meine Erfahrungen lest ihr hier.

Was kostet Föhr?

  • Übernachten: 60€/ Nacht Einzelzimmer/ -apartement Selbstverpflegung
  • Kurtax: 2,60€/ Tag (Hauptsaison)
  • Fahrrad: 7-9€/ Tag
  • Strandkorb: 9€/ Tag
  • Burger und Gin Tonic: 17€
  • Kaffee: 3,50€
  • Schinkenteller, 3 Vollkornbrote, große Apfelsaftschorle: 18€
  • Aperol Spritz an der Strandpromenade: 6€

Auf den ersten Blick erschien es mir gar nicht so teuer. Lediglich die Gastropreise fand ich dann ganz schön gepfeffert.

Tja, und dann sind sie auch schon um, meine 48h in der Karibik. Ein letzter Strandspaziergang zurück zu meiner Unterkunft, bevor es morgen wieder zurück in den Großstadtdschungel geht.

Welche Nordseeinsel gefällt Euch am Besten? Was sind Eure Tipps und Highlights? Oder was kann man sich klemmen? Ich freu mich auf Eure Kommentare!

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