Allgemein, Asien, Sri Lanka

Der frühe Vogel und so …

11. Mai 2016

… nun war es also soweit! Um 01.45 Uhr klingelte der Wecker – und entgegen meiner sonstigen Gewohnheit sprang ich wie ein Rehkitz aus den Federn. Es war ungefähr so wie früher, wenn man als kleines Kind den Geburtstagsmorgen nicht abwarten konnte, oder wenn es auf Klassenfahrt ging. Da war frühes Aufstehen nie ein Problem. Bereits am Vorabend hatten Betti und ich sorgfältig mein „Reisegepäck“ gepackt – warme Klamotten, genug Wasser, entsprechende Snacks, etwas Geld … und so musste ich nur noch den Rucksack schultern und dann ging es im Dunkeln los. Am Hoteleingang versammelte sich bereits eine große Reisegruppe, mit dem selben Ziel. Aber da ich keine Lust auf Unterhaltung hatte und wusste, dass ich die nächsten Stunden besser nur mit mir beschäftigt sein wollte, zog ich den Schritt an und flog buchstäblich an ihnen vorbei – was zugegebenermaßen auf flachem Boden ein Kinderspiel war.

Dank einer kleinen Erkundungstour am Vortag, wusste ich genau wann ich wo, wann abzubiegen hätte. Und wir hatten schon gesehen, dass die Strecke im Dunkeln beleuchtet wurde. Wie eine lange Lampionkette schlängelten sich die Lichtpunkte entlang zum Gipfel, dem Adam’s Peak. DSC00960Dieser Berg ist etwas ganz besonderes, denn er ist einer von ganz wenigen Orten auf dieser Welt der von mehreren Religionen aufgrund seiner Symbolkraft verehrt wird, ja sogar Pilgerstätte ist. Der Legende nach soll Adam, als er des Paradieses verwiesen wurde, als erstes seinen Fuß hier auf diese Bergspitze gesetzt haben. In Sri Lanka und für die Buddhisten heißt der Berg Sri Pada, da Buddha hier seinen Fußabtritt hinterlassen hat, auf dem Weg ins Paradies. Jeder gute Buddhist sollte den Berg mindestens einmal im Leben erklimmen, dafür wird ihm oder ihr dann jedes Mal ein zusätzliches Lebensjahr gutgeschrieben. Für die Hindus ist es Shivas Fußabdruck auf der Spitze des Berges. Ein ganz besonderer Ort also und eine besondere Herausforderung für mich. 2.243m hoch, ca. 5.200 Stufen – los gehts.

Die ersten 45 Minuten waren ok und gut zu meistern – ein paar Stufen wechselten sich mit flachen Passagen ab, ich kam gut voran. Dann wurde es anstrengend, richtig anstrengend. Es ging nur noch bergauf, nur noch Treppen und es wurde merklich kühler. Die nächsten 1,5 Stunden ging das so, mittlerweile war der Weg auch sehr gut belebt. Touristen kämpften sich bergaufwärts, die Einheimischen (barfuß, in Flip Flops, mit Babies und Kleinkindern, in kurzen Klamotten und in Saris die Frauen) kamen uns von oben entgegen. Irgendwann meinte ich das dumpfe Läuten einer großen, schweren Glocke zu hören – diejenigen, die den Gipfel erreicht hatten, durften dies mit dem Läuten der Glocke kundtun, und zwar so oft, wie sie bereits den Berg bestiegen sind. Ich weiß nicht ob ich es mir nur einbildete, aber es half zumindest die nächsten Meter wieder mit etwas mehr Elan anzugehen. Der letzte Abschnitt war gekennzeichnet durch einen wahnsinnig steilen Aufstieg, keine 90°, aber viel fehlte nicht. An den Treppen waren nun Geländer rechts, mittig und links befestigt, an denen man sich festhalten oder, so wie ich, hochziehen konnte. Mitten auf so einem Absatz kam es zu einem kurzen Stillstand, da man hier nicht überholen konnte und es nur langsam vorankam. Ich stand nun rechts, auf dem Weg nach oben, unter mir die Lichter des Weges und der Stadt im Dunkeln, die Baumgrenze hatte ich schon längst passiert.Links von mir, auf gleicher Höhe, stand eine sehr alte Frau, die mich anlachte, mit der Hand nach oben zeigte, mir vermutlich Mut zusprach und über den Kopf und die Wange streichelte. Da war es dann um mich geschehen – mir liefen die Tränen übers Gesicht – vor Erschöpfung, vor dem Wissen was noch vor mir lag, vor der Freude und dem Stolz, was ich bisher schon geschafft hatte, vor der Ehrfurcht vor diesem Ort und den vielen Menschen, die sich hier hochquälten. Und dann waren sie wieder da – die Glockenschläge, diesmal ganz nah und eindeutig. Also los, die letzten Meter zusammenreißen, viel konnte es ja nicht mehr sein. Exakt 2 Stunden und 30 Minuten nach dem ich losgelaufen war, kam ich am Gipfel an, um 4.30 Uhr! Überall waren Menschen, sie saßen, lagen, schliefen wo sie ein Plätzchen finden konnten – ich setzte mich mittenrein, mümmelte meine Peanuts mit Honig zur Stärkung und gemeinsam warteten wir auf den Sonnenaufgang, der noch mind. 1,5 Stunden auf sich warten ließ, dann aber fulminant, wenn auch kurz, die Massen staunend und ehrfürchtig zurück lies. DSC01008

DSC01023Kurz nach dem Sonnenaufgang wurde es merklich leerer und ich nutzte die Zeit, um dem Fußabdruck und seiner Bedeutung für meine Religion meine Ehre zu erweisen. Vor dem Abstieg hatten alle gewarnt, und es stimmte – nach dem ich das steile Endstück hinter mich gelassen hatte, spürte ich mein linkes Knie. Tja, alte Frau ist halt kein Bambi, was frisch und frei über Stock und Stein hüpft. Ansonsten zog es mich nun aber nach Hause, zur Dusche, zum Frühstück und zu Betti – der an dieser Stelle mein besonderer Dank gilt für die hervorragende moralische Unterstützung und Fürsorge vor, während und nach dem Aufstieg <3!!! Den Abstieg habe ich übrigens in 2h geschafft :-).

Wir hatten in Dalhousie nur eine Nacht eingeplant, aber ich hätte gut und gern noch ein paar Stunden meine Knochen geschont und meinen Blick über die wunderbare Aussicht unseres Hotelzimmers gleiten lassen. Für mich war ja fast ein Tag schon rum, als es gegen 12 Uhr weiter ging. Nächster Stop: Nuwara Eliya – Little England, so von den Einheimischen bezeichnet auf grund der vielen, vielen britischen Landhäuser und für mich unauslöschlich mit den, in den diversesten Grüntönen schimmernden, Teeplantagen verbunden.

Die erste Amtshandlung in Nuawara Eliya war ein kleines Cafe und danach eine original Aryurveda-Massage (ahhhh, sooooo gut), inkl. eines Ein-Mann-Dampfbades. Ich wurde nach der Massage, in reichlich Öl getunkt, in eine Art „Sarg“ gepackt, der Kopf guckte oben heraus, und dann wurde unter mir das Feuer entfacht ;-). Es war definitiv das Beste was mir nach der Bergbesteigung hätte passieren können. Konnte es zwar nicht den Muskelkater der kommenden Tage eindämmen, so war jedoch der Schmerz im Knie wie weggeblasen. An diesem Abend ging es früh zu Bett, denn am nächsten Morgen stand wieder eine kleine Wandertour an – ja, die faulen Zeiten waren erstmal vorbei!

4.45 Uhr  – der Wecker klingelt, denn heute gehts ans Ende der Welt. „Worlds End“ ist ein Aussichtspunkt im Horton Plains Nationalpark – und es war atemberaubend. Wieder einmal stand ich mit offenem Mund da, als sich vor uns der steile Abhang und auf der gegenüberliegenden Seite die sattgrünen Berge auftaten. 9km sind wir gewandert, ein pittoresker Rundweg in ständig wechselnder Landschaft, von Hochebene zum Dschungel, vorbei an einem Wasserfall und einer kleineren, aber nicht weniger imposanten Version vom Worlds End. Hach, die Landschaft ist schon wirklich was Besonderes!

Am nächsten Morgen konnten wir ausschlafen, was für mich mittlerweile aufwachen zwischen 7-8 Uhr bedeutet. Mit dem Zug ging es weiter, d.h. wir, mit unseren kleinen Rucksäcken, stiegen in den Zug, die Großen wurden bequem per Auto zur nächsten Station gebracht- nach Ella, dem Hippie/ Backpacker Mekka Sri Lankas. Und so standen am Bahnsteig dann auch fast nur Touris wie wir. Der Tourifaktor ist seit Indien um das 5-fache gestiegen. Diesmal hat es nur für die 3. Klasse gereicht ;-), aber der Ausblick ist aus jedem Fenster gleich und dieser war wieder einmal unvergleichlich (mir gehen langsam die Beschreibungen aus). Nicht umsonst wird die Strecke nach Ella als eine der schönsten Zugstrecken der Welt bezeichnet.

Kurz vor Ella holte uns allerdings der Regen ein, der uns auch nicht mehr so richtig verlassen wollte. Den restlichen Tag konnten wir dann nur auf unserer riesigen Terasse, auf eine Wand aus Regen starrend, verbringen. Und während Deutschland schon den Frühsommer genossen hat, haben wir bei 15 Grad und Regen ganz schön gebibbert. Da das Grün und diese wunderschöne Natur ja irgendwo herkommen muss, ist der Toleranzfaktor dem Regen gegenüber auch recht hoch. Und bisher hatten wir auch immer Glück – auch am nächsten Tag, als wir auf den Mini Adam’s Peak hier in Ella wollten. Auf der Spitze angekommen, fand zum ersten Mal mein Selfistick (ein Abschiedsgeschenk von Natalie und Dennis 😉 Anwendung.

Die aktuellsten Fotos findet ihr wie immer hier.

 

 

Weitere interessante Artikel

1 Kommentar

  • Antworten Katrin P. 12. Mai 2016 at 10:03

    Man spürt Deine Begeisterung total. Bislang der schönste Spot? Könnte man zumindest laut Deinen Beschreibungen denken. Klingt jedenfalls echt toll, auch die Fotos. Insbesondere das – mit dem Zug und den mit Regenschirm wartenden Menschen davor und dahinter das Meer. Hat total was! Also Sri Lanka kommt dann wohl dank Dir definitiv auf meine Reise-Wunschliste. Angenehmes (langsames) Weiterreisen ;-). Einen dicken Drücker!

  • Hinterlasse einen Kommentar